Harburg – Wer auf die Kreuzung Neuländer Straße Ecke Hannoversche Straße mit seinem Auto fährt, sollte vorsichtig sein. Betrüger nutzen die etwas komplizierte Verkehrsführung,

um gezielt Verkehrsunfälle zu provozieren. Fast 30 Prozent der Unfälle, die in den vergangenen zwei Jahren dort passierten, sind vermutlich vorsätzlich verursacht. Davon geht die Polizei aus.

Bei 69 Unfällen krachte es 2015 auf der Kreuzung. Im vergangenen Jahr gab es dort 36 Unfälle. Fast immer blieb es bei Blechschäden. Lediglich eine Person wurde bei den Unfällen so schwer verletzt, dass sie ins Krankenhaus musste. Sechs Insassen erlitten leichte Verletzungen. Bei 29 Fällen ermittelt die VD 22, eine eigens zur Aufdeckung von manipulierten Verkehrsunfällen eingerichtete Dienststelle der Polizei. Das geht aus der Antwort der Innenbehörde auf eine Anfrage der SPD hervor. Hervor geht aus der Antwort auch, dass hier gut organisierte Kriminelle am Werk sein dürften.

25 der Unfälle werden Angehörigen einer größeren türkischen Familie zugerechnet, die mit verschiedenen Autos und wechselnden Fahrern beteiligt waren. Die restlichen offenbar in betrügerischer Absicht verursachten Unfälle wurden einem Landsmann der Familie  zugerechnet.

Die Ermittlungen selbst begründen sich auf verschiedene Straftatbestände. Sie werden wegen Versicherungsbetrug (§263 StGB), Versicherungsmissbrauch (§265), Körperverletzung (§229 StGB), gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr (§ 315 b StGB), Falsche Verdächtigungen, (§164 StGB), Vortäuschen einer Straftat (§ 145 d StGB), Begünstigung (257 StGB), Strafvereitelung (258 StGB) und Beihilfe (§ 27 StGB) geführt.

Das Ziel der Täter bei fingierten Verkehrsunfällen ist klar. Sie nutzen Situationen aus, um Verkehrsunfälle zu provozieren, bei denen ihr Unfallgegner schuld ist, um dann einen Schaden an ihrem Fahrzeug nach Gutachten abzurechnen. Das Opfer bleibt ohne Vollkaskoversicherung auf seinem Schaden sitzen und wird in der Versicherung hoch gestuft. Eine Verletzungsgefahr des arglosen Opfers nimmt der Täter nach Einschätzung von Experten dabei in Kauf.

Die Kreuzung an der Neuländer Straße bietet sich für solche vorsätzlich verursachten Unfälle als Tatgelegenheit an. Auf beiden Spuren kann man von der Neuländer Straße kommend in Richtung Hannoversche Straße abbiegen. Über die rechte Spur kann man außerdem weiter geradeaus in Richtung Binnenhafen fahren. Beim Abbiegen geraten gerade ortsunkundige Autofahrer schon mal auf die Nebenfahrbahn. Das wird für Kollisionen genutzt. Auch sollen Unfälle provoziert worden sein, indem sich der Täter mit Warnblinklicht unmittelbar vor der Kreuzung auf den rechten Fahrstreifen stellte, einen Autofahrer, der geradeaus wollte, vorbeifahren lässt, und ihm bei dessen Wiedereinfädeln in den Wagen fährt. zv