100626Krawall3Neuwiedenthal - Bei Auseinandersetzungen mit Jugendlichen sind am Samstagabend am S-Bahnhof Neuwiedenthal mehrere Polizisten verletzt worden. Fünf Beamte, von denen einer mehrere,

lebensgefährliche Schädelbrüche erlitten hatte, kamen ins Krankenhaus. Die Polizei zog Peterwagenbesatzungen aus ganz Hamburg und auch aus dem angrenzenden Niedersachsen zusammen. Es gab zahlreiche Fest- und Ingewahrsamnahmen. Joachim Lenders, Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft nannte die Täter "Abschaum". Zwischenzeitlich tauchte bei Youtube ein privates Video auf, das zeigt, wie einer der Beamten den am Boden liegenden Festgenommenen mit dem Schlagstock auf die Beine schlägt. Die Polizei verteidigte das Vorgehen.

Gegen 21.30 Uhr war die Polizei zum Rehrstieg gerufen worden. Dort hatte es angeblich eine Schlägerei unter Jugendlichen gegeben. Als die ersten Peterwagen eintrafen, trafen die Beamten nach ihrer Darstellung nur auf einen Mann, der mit runtergelassener Hose dort stand. Als sie seine Personalien aufnehmen wollten, rotten sich etwa 30 Personen, hauptsächlich junge Männer, zusammen. Steine und Flaschen flogen. Die Polizisten wurden auch direkt angegriffen. "Es wurden Gehwegplatten aus dem Boden gerissen, um mit ihnen auf die Kollegen zu werfen", so ein Beamter. Einem Polizisten, der bereits am Boden lag, trat ein Täter ins Gesicht. Er ist identifiziert. Nach dem bereits wegen Gewalttaten bekannten Tunesier fahndet die Mordkommission. Ihm wird ein versuchtes Tötungsdelikt vorgeworfen. Sein Bruder wurde bereits am Tatort festgenommen. Er ist ein Intensivtäter. Auch die meisten anderen Festgenommenen haben Migrationshintergrund.
Ersten Aussagen der Polizei, man sei sofort angegriffen worden, stehen die Aufnahmen eines Passanten gegenüber. Sie zeigen, das bei der Festnahme des Mannes ein Beamter mehrfach auf ihn einprügelt. Aufgeregte Passanten beschimpfen die Polizei. Von einem sofortigen Angriff kann nach den Bildern nicht die Rede sein. Laut Polizeisprecher Ralf Meyer hatten sich die Beamten korrekt verhalten. Aufschlussreich ist der Ton der Aufnahme. Während einer der Beamten den Mann, der bereits wegen Gewaltdelikten bekannt ist, am Boden hält, versucht sein Kollege die aufgebrachten Passanten zu vertreiben. Die beldeidigen die Polizisten über, kommen immer wieder. Die Kamera schwenkt dann auf den Festgenommenen, als der gerade mit dem Schlagstock geschlagen wird. Was der Auslöser war, zeigen die Aufnahmen nicht. Allerdings ist auf dem Ton zu hören, wie der Beamte sagt: "und du willst mir in die Eier hauen". Danach war die Situation, auch das ist nicht mehr auf die Video zu sehen, eskaliert. Später eintreffende Polizisten sagten aus, dass sie sofort angegriffen worden seien.
Erst ein Großaufgebot der Polizei hatte die Lage unter Kontrolle bekommen. Auch Einsatzkräfte der Ermittlungsgruppe "Florian", die nach Autobrandstifter fahnden sollten, wurden nach Neuwiedenthal beordert. 17 Jugendliche und junge Männer im Alter von 16 bis 21 Jahren wurden festgenommen. Die Polizei ermittelt gegen sie wegen Landfriedensbruch, gefährlicher Körperverletzung und Widerstand. Später mussten Polizisten den Wachbetrieb in Neugraben aufrecht erhalten. Die komplette Einsatzgruppe der Wache, die in der Nacht Dienst hatte, war krankenhausreif geprügelt worden.
Während des Polizeieinsatzes sammelten sich zahlreiche Anwohner auf der Straße. "So ein Polizeiaufgebot haben ich hier noch nie gesehen", sagt Andreas Richter, der in Neuwiedenthal wohnt. Viele begrüßten den massiven Polizeieinsatz. Andere Beobachter nicht, sie bepöbelten die Einsatzkräfte.
"Es ist unfassbar mit welcher Brutalität diese Straftäter, die nur noch als Unterschicht und Abschaum der Straße zu bezeichnen sind, gegen unsere Kollegen vorgegangen sind", sagt Lenders. Jetzt seien die Gerichte gefordert diese schweren Straftaten angemessen abzuurteilen. "Meiner Ansicht nach gehören dazu nicht die Verhängung von Bewährungsstrafen oder Anti-Aggression-Trainings, sondern langjährige Freiheitsstrafen für diesen Abschaum", so Lenders. "Wer Menschen, und dazu gehören auch Polizisten, auf diese brutale Weise attackiert muss die strafrechtlichen Konsequenzen seines Handelns zu spüren bekommen." Harte Kritik übt Lenders an dem grünen Justizsenator Till Steffen. "Für ihn scheint jedoch eher die Einführung einer Frauenquote in der Wirtschaft Priorität zu genießen als die Probleme, die Hamburg beschäftigen", so Lenders.
"Der aktuelle Vorfall in Neugraben belegt einmal mehr die Notwendigkeit der von der Innenministerkonferenz auf Initiative Hamburgs beschlossenen Strafverschärfung für Gewalttaten gegen Polizeibeamte", sagt der Innensenator Christoph Ahlhaus. Diese müsse unverzüglich kommen. Ahlhaus: "Ich  habe überhaupt kein Verständnis für die  Blockadehaltung  der Bundesjustizministerin." Aber auch an die Adresse von Justizsenator Steffen hat Ahlhaus eine Botschaft. "Die Täter müssen deutlich zu spüren bekommen, dass sich der Rechtsstaat nicht auf der Nase herumtanzen lässt.  Das gilt auch für die Verfolgung von Straftaten durch die Justiz, die schneller und konsequenter als bisher erfolgen muss."  zv
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