160609Schiesse1Harburg – Tödliche Schießerei in der Steinikestraße am Donnerstagmorgen. Die Schüsse fielen, als kurz vor 8 Uhr Schüler der nahen Sprachheilschule

zum Unterricht kamen. Sie galten einem 43-jährigen Serben, der gerade in sein Mercedes Coupé gestiegen war. Das Glas des Seitenfensters splitterte. Leblos sackte der Mann zusammen und kippte aus dem Auto. Ein mit dem Rettungshubschrauber eingeflogener Notarzt versuchte den Mann zu reanimieren. Erfolglos.

Geschockte Augenzeugen mussten vom Kriseninterventionsteam des DRK betreut werden. Betroffen waren auch Schüler der nahen Sprachheilschule Baererstraße. Einige waren in der Nähe des Tatortes gewesen, als die tödlichen Schüsse fielen.

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Ein Kripomann untersucht den Tatort. Foto: zv

 Nach der Tat brachten Polizisten Angehörige von Opfer Boban K. in Sicherheit. Sie wurden an einem geheimen Ort betreut. Das Vorgehen untermauert auch, was Bekannte des Opfers behaupten. Grund der Tat soll eine Fehde innerhalb einer Großfamilie sein. Danach hatte Boban K. eine Polin geheiratet und ihren Namen angenommen. Zusammen hatten sie vier Kinder, darunter zwei Mädchen. Eine von ihnen (19) sollte nach dem Willen eines Familienzweigs zwangsverheiratet werden. Das wollte Boban K. nicht. Bereits länger soll es deshalb Streit gegeben haben.

Als am späten Nachmittag Angehörige beider Familienzweige zu Vernehmungen in der Wache an der Lauterbachstraße waren und dort aufeinander trafen, drohte die Situation zu eskalieren. Die Polizei fürchtet auch, dass die Todesschüsse nicht die letzte Tat bei der Fehde war.

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Die Männer des MEK bereiten sich auf den Einsatz vor. Foto: cb

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Bewaffnete MEK-Kräfte am Einfamilienhaus in der Rickelstraße. Foto: zv

Am Tatort begann gut eineinhalb Stunden nach den tödlichen Schüssen die Mordkommission mit der Spurensicherung. Beamte mit Polizeihunden suchten die Umgebung ab. Beamte stellten Personalien von mehreren Schaulustigen fest. Für die Tatortarbeit kam ein 3D-Scanner zum Einsatz.

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MEK-Kräfte durchsuchen das Haus an der Rickelstraße. Foto: zv

In der Zwischenzeit traf auch das Mobile Einsatzkommando (MEK) der Polizei ein. Die Männer bereiteten sich an der Baererstraße auf ihren Einsatz vor. Gegen 11 Uhr fuhren die Fahrzeuge zu einem Einfamilienhaus an der ruhigen Rickelstraße in Eißendorf. In drei Gruppen mit etwa 30 Einsatzkräften wurde das Haus von den schwer bewaffneten Kräften gestürmt. Zwei Frauen, die sich in dem Haus aufhielten, mussten von einem Arzt versorgt werden. Eine der Frauen wurde in Polizeigewahrsam ins Krankenhaus gebracht.

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Das Opfer, ein 43-jähriger Serbe,  neben dem Mercedes Coupé. Foto: zv

In der Erlenhöhe stellten Beamte den Fiat sicher, nach dem gefahndet worden war. Das Auto war verlassen. Der Wagen wurde zur Untersuchung sichergestellt und abtransportiert. Beamte stoppten im Rahmen der Fahndung zudem ein verdächtiges Fahrzeug in der Bremer Straße. Die beiden Insassen des VW Polos wurden vorläufig festgenommen.

Nach jetzigen Informationen handelt es sich um einen 27-jährigen Serben und vermutlich um einen 20-jährigen Landsmann. Auch dieses Fahrzeug wurde für weitere Untersuchungen sichergestellt. Die Mordkommission prüft derzeit eine mögliche Tatbeteiligung der beiden Festgenommenen. Laut Beamten gehen die Ermittler davon aus, dass einer der Männer der Schütze sein kann und beide während der Flucht in den Polo umgestiegen sind. zv/cb

Veröffentlicht 9. Juni 2016

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