150624NeulandHarburg – Nun ist es also beschlossene Sache: Der Bebauungsplan „Neuland 23“ steht, in der Bezirksversammlung gab es dafür eine breite Mehrheit. An der

Autobahn-Anschlussstelle Harburg – auf Neuländer Marschland gegenüber dem Zementwerk – kann nun eins von 19 Hamburger Klima-Modell-Quartieren entstehen. So jubelt jedenfalls die Projekt-Realisierungsgesellschaft mbH bei der Aussicht, ein „Gewerbegebiet mit schonender Beleuchtung, kühlenden Gründächern, einem integrierten Regenwasser- und Energiemanagement und Fotovoltaik-Anlagen“  zu entwickeln.

Kritiker denken eher an den Wachtelkönig oder zumindest das arttypische „crex crex“ das dort deutlich zu hören war. Oder den seltenen Schlammpeitzger, der als „furzender Fisch“ für Gelächter sorgte, dennoch traurigerweise stark gefährdet ist. Vor allem aber denken sie an die Neuländer Siedler in der Nachbarschaft, die sich Sorgen um ihre Grundstücke und Häuser machen. Das Trauma der großen Flut von 1962 in den Köpfen können sie bei jedem Starkregen hoffnungslos überforderte Wettern in ihrer Siedlung nicht teilnahmslos hinnehmen und wollen wissen, wie der Grundwasserspiegel reagiert, wenn nebenan 27 Hektar als Baugrund für Logistikhallen aufgeschüttet werden.

Alles im Griff, heißt es aus den Reihen der GroKo. Frank Richter (SPD), Vorsitzender des Stadtplanungsausschusses wird deutlicher. „Das Problem war uns schon vor Auslegung des Bebauungsplanentwurf bekannt.“ Das sei alles geprüft worden, und – bezogen auf die bisherige Planung –  problemlos. Endgültige Klarheit gebe es allerdings erst, wenn ein Investor eine konkrete Planung vorlege. Richter: „Wir bleiben am Ball.“

Kleine Randnotiz zum Abstimmungsverhalten der Grünen: Als die ersten Ideen für einen Logistikpark an der Autobahn-Anschlussstelle Harburg auf den Tisch kamen, stießen sie bei den Harburger Grünen auf Ablehnung. Der damalige Fraktionsvorsitzende Ronald Preuß setzte sich dann in zähen Verhandlungen mit der Wirtschaftsbehörde für einen Kompromiss ein: Wir stimmen Neuland 23 zu, wenn es dafür eine verbindliche Zusage des Senats gibt, Gut Moor auf Dauer unangetastet zu lassen und dort eben keine Begehrlichkeiten für Gewerbe oder Autobahnzubringer zu entwickeln.

Im Stadtplanungsausschuss hatte jetzt Robert Klein gegen Neuland 23 gestimmt – was allerdings nur eine Empfehlung für die Bezirksversammlung war. In der Bezirksversammlung selbst haben Gudrun Schittek, Tülin Akkoc und Robert Klein gegen den Plan gestimmt, Britta Herrmann und Jürgen Marek haben sich dagegen der Stimme enthalten. ag

Veröffentlicht 24, Juni 2015