150520SchneeballHarburg – Wenn keiner krank ist oder gerade Urlaub hat, kümmern sich im Bezirk Harburg täglich acht Wegewarte um den ordentlichen Zustand der 326 Kilometer Bezirksstraßen und 76 Kilometer

Hauptverkehrsstraßen. Ihnen zur Seite steht noch ein virtueller Kollege, der Online-Wegewart. Er ist quasi die Schnittstelle zur Harburger Bevölkerung. Alle gut 150.000 Einwohner des Bezirks können den realen acht Kollegen mitteilen, wo irgendetwas nicht in Ordnung ist. Mit einem Klick auf hamburg.de/harburg/online-wegewart-harburg/ erfahren sie, was dem Bezirksamt eine Meldung wert ist – nämlich „versperrte Gehwege durch Hecken oder herabhängende Zweige, defekte, verschwundene oder entbehrlich erscheinende Verkehrsschilder“.

So weit die Theorie! Aber: Wird der Online-Wegewart überhaupt genutzt? Und: Wenn es Meldungen der Bürger gibt, wie werden sie erfasst und ausgewertet? Das wollte die AfD-Fraktion in der Bezirksversammlung Harburg wissen, die Antworten des Bezirksamts sind eher ernüchternd. Demnach gibt es wöchentlich „im Durchschnitt“ zwar „ca. zwei bis drei“ Meldungen, die „aber nur teilweise den Aufgabenbereich des Bezirksamts betreffen“. Mehr Erkenntnisse gibt es nicht, denn: „Die Daten werden statistisch nicht erfasst.“

Ob es vielleicht Schwerpunkte gibt, zu denen besonders viele Meldungen eingehen, was überhaupt als Schaden gemeldet wird und ob diese Schäden dann auch beseitigt worden ist – über all dies kann das Bezirksamt nichts sagen. Denn: „Die Daten werden statistisch nicht erfasst.“

Deshalb bekommen die Bürger, denen ihr Umfeld nicht gleichgültig ist und die deshalb auch mal einen Schaden melden, nichts als eine Nachricht, dass ihre Meldung eingegangen ist. Und wie damit umgegangen wird? Antwort des Bezirksamts: „Weitere Benachrichtigungen erfolgen wegen des damit verbundenen Aufwandes nicht.“ Zur Erinnerung: Es geht um „ca. zwei bis drei“ Meldungen pro Woche.

Und wie beurteilt das Bezirksamt selbst den Online-Wegewart? „ Der Online-Wegewart ist ein etabliertes Instrument, jedoch sind Bekanntheitsgrad, Akzeptanz und Wirksamkeit noch verbesserungsbedürftig“, heißt es in der Antwort an die AfD-Anfrage. Da könnte man ja mal dran arbeiten... Offenbar hat das Bezirksamt aber schon die Schuldigen gefunden: „Die Bürger nutzen nebenbei noch zu viele andere Wege, um Schäden zu melden (telefonisch, per Brief, über die Pressestelle, über die politischen Gremien u.a.). Und: Es gibt zu viele Falschmeldungen, die einen unnötigen Aufwand verursachen.“

AfD-Fraktionschef Ulf Bischoff sieht das anders: „Wenn wir etwas am systematischen Ablauf verbessern wollen, dann müssen wir doch zumindest erfassen, was wann gemeldet und wann abgearbeitet wurde. Ansonsten sind wir auf einem Blindflug im Nebel.“ ag

Veröffentlicht 26. Mai 2015