140921LeonhardHarburg – Monatelange Machtkämpfe hatten die Harburger SPD ordentlich durcheinander gewirbelt, jetzt haben sich die Verhältnisse erst einmal wieder zurechtgeruckelt:

In einem wahren Wahl- und Debattier-Marathon haben die Genossen ihre Kandidaten für die Bürgerschaftswahl im Februar aufgestellt. Die großen Überraschungen blieben dabei aus, einige Ausrufezeichen wurden dennoch gesetzt.

Wenn man die Landesliste einer Partei als Paradestrecke ihrer besten Leute ansieht, ist Dr. Melanie Leonhard (Foto) die klare Nummer eins der Harburger SPD.  Sie wurde als Spitzenkandidatin aller Harburger Bewerber mit mehr als 90 Prozent der Stimmen vorgeschlagen. Welchen Platz sie letztlich auf der Landesliste bekommt, entscheidet sich erst am 1. November. SPD-Kreischef Frank Richter geht davon aus, dass es Platz neun wird. Insider gehen davon aus, dass bis Platz 20 der Einzug in die Bürgerschaft sicher ist.

Frank Wiesner ist nach dieser Lesart die Nummer zwei in Harburg. Auch er bekam mehr als 90 Prozent der Stimmen. Am Vorabend musste „Togo-Frank“ allerdings einen Dämpfer hinnehmen, als er bei der Kandidatur für die Wahlkreisliste Harburg (also nicht Landesliste!) klar gegen Sören Schumacher verlor. Am nächsten Tag – es war Wiesners Geburtstag – folgte mit großer Zustimmung die Wiedergutmachung. Trotzdem musste Wiesner zittern. Platz 23 (voraussichtlich) auf der Landesliste ist keine Garantie für ein Bürgerschaftsmandat.

Für die folgenden Harburger Plätze auf der Landesliste wurden die Bürgerschaftsabgeordnete und Sozialpolitikerin Doris Müller, der Vorsitzende des SPD-Distrikts Harburg-Mitte und engagierte Helfer der Flüchtlinge vom Neuländer Platz, Aziz Aygün sowie Barbara Weiß, Ahmet Aba und David Ghrim aufgestellt.

Bei der Aufstellung der Liste für den Wahlkreis Harburg war am Vorabend fast alles „nach Plan“ gelaufen. Nachdem er gegen Schumacher in der Abstimmung um den Spitzenplatz verloren hatte, verzichtete Wiesner allerdings auf eine weitere Kandidatur und konzentrierte sich auf die Landesliste (siehe oben). Für Platz zwei setzte sich Birte Gutzki-Heitmann durch. Es folgen Volker Muras, Claudia Loss, Aziz Aygün und Doris Müller.

Im Wahlkreis Süderelbe knisterte es dann schon heftiger. Offenbar wurde vorher heftig mobilisiert, es kamen rekordverdächtige 147 stimmberechtigte Mitglieder. Sie halfen mehrheitlich Brigitta Schulz im Duell der Süderelbe-Bürgerschaftsabgeordneten. Matthias Czech unterlag, setzte sich dann aber bei der Nominierung für Platz zwei gegen Arend Wiese durch, der zwar Vorsitzender des mächtigen SPD-Distrikts Neugraben-Fischbek und Fraktionsvize in der Bezirksversammlung ist, dem einige aber auch einen Denkzettel verpassen wollten, weil er zunächst als Galionsfigur im Putsch gegen Fraktionschef Jürgen Heimath angetreten war, dann sich aber doch anders entschieden hatte. Auf den weiteren Plätzen im Wahlkreis Süderelbe: Jasmin Hilbring, Sören Schinkel, Henning Reh und dann doch noch Arend Wiese.

Fazit des Nominierungs-Marathons: Die Zeit der Spekulationen ist erst einmal vorbei, Einigkeit ist damit noch lange nicht eingekehrt. Das kann man wie Kreischef Frank Richter staatstragend oder besser: parteitragend formulieren: Ich denke, es ist uns auch diesmal wieder gelungen, den Wählerinnen und Wählern ein gutes Personalangebot zu machen, mit dem wir auch die Vielfalt der Harburger SPD zeigen.“ Man kann sich aber auch vor dem Ergebnis der Bürgerschaftswahl fürchten. Schafft Olaf Scholz wieder die absolute Mehrheit, kann es schnell wieder knallen. Koalitionen sorgen stets für mehr innerparteiliche Disziplin. ag