140623HagedornHarburg – Nur einen Tag vor der konstituierenden Sitzung der neuen Bezirksversammlung gibt es den nächsten Kracher: Michael Hagedorn, bei der Wahl noch einer der

beliebtesten CDU-Politiker und seit Jahrzehnten eine feste Größe in der Harburger Kommunalpolitik, nimmt sein Mandat nicht an – aus Verärgerung über seinen Kreisvorsitzenden Ralf-Dieter Fischer. Der habe verhindert, dass Hagedorn wieder als Kandidat für das Präsidium nominiert wird.

Nach den internen, aber nicht zu verheimlichenden Querelen bei SPD und Grünen hat es nun auch die CDU erwischt, die Fischer in den vergangenen Wochen immer noch als Hort der Zuverlässigkeit und Geschlossenheit gepriesen hatte. Er selbst muss wohl am meisten daran geglaubt haben, denn sonst lässt sich kaum erklären, warum dem alten Politikfuchs bei der Nominierung des CDU-Kandidaten für das Präsidium der Bezirksversammlung ein strategischer Fehler unterlaufen ist. Geschlossenheit? Das war einmal.

Fischer hatte es unterlassen, Hagedorn bei der Nominierung zu unterstützen. Der pensionierte Postdirektor ist in Harburg das, was man in England „a well respected man“ nennt. Er ist eine Autorität, er war lange Chef der Harburger Post, er war lange Vorsitzender der Bezirksversammlung, zuletzt immer noch ihr Vize, er war sogar „ministrabel“ – nämlich als die CDU ihn 1990 bei der Bezirksamtsleiterwahl gegen Michael Ulrich (SPD) antreten ließ. Und vor fünf Jahren bei Hagedorns 65. Geburtstag verzieh Fischer ihm sogar, dass er ein gebürtiger Blankeneser ist: „Allerdings sind seine Tätigkeiten in Harburg so überragend, dass wir ihn als gebürtigen Harburger ansehen.“

In den Augen von Fischer hat Hagedorn nur einen Makel – und der ist für ihn entscheidend: Hagedorn gehört dem CDU-Ortsverband Harburg-Mitte an. Damit gehört er zu den Freunden von Birgit und Helga Stöver, für Fischer zwei riesengroße rote Tücher. Für ihn sind sie die Quelle aller parteiinternen Fehden. Die Stövers sind es in den Augen von Fischer auch, die allerlei Interna ausplaudern – und damit sind sie parteischädigend.

Aber da täuscht sich Fischer. Auch wenn er – mangels Alternative – bei der Wahl zum Fraktionschef Traumergebnisse erzielt, gibt es in seiner Fraktion eine Reihe von Unzufriedenen. Nicht allen passt es, dass Fischer – der ohne Zweifel ein herausragender Politprofi ist – den restlichen 13 CDU-Abgeordneten kaum Raum oder sie gar mitentscheiden lässt. Fischer ist Fraktionschef und Kreischef, wo die anderen Parteien vor einer Entscheidung alle möglichen Gremien beteiligen müssen, fragt der Fraktionschef Fischer den Kreischef Fischer. Und basta!

Klar, dass er darauf achtet, dass neben ihm keiner zu mächtig wird. Rainer Bliefernicht ist zwar ein getreuer Vize, mehr „darf“ er aber nicht. So war Fischer keineswegs entsetzt, als Bliefernicht bei der Wahl zum stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden nur eine denkbar knappe Mehrheit bekam.

Dafür hat Fischer jetzt den jungen Robert Timmann unterstützt, er soll jetzt neben Manfred Schulz (SPD) im Präsidium der Bezirksversammlung sitzen. „Er hat bei der Abstimmung in der Fraktion die nach Satzung notwendige Mehrheit bekommen“, sagt Fischer . „Also ein zutiefst demokratischer Vorgang.“ Auf das Angebot von Hagedorn, nur noch für die Hälfte der Legislatur im Präsidium zu sitzen und sich dann zurückzuziehen, ist Fischer nicht eingegangen.

Für Helga Stöver hat Fischer damit ein „angesehenes Mitglied der Fraktion ohne Not beschädigt“. Und selbst Michael Hagedorn, der sonst klein schlechtes Wort über Parteifreunde verliert, hält sich nicht mehr zurück: „Her Fischer hat mich fallen gelassen, um die Machtstrukturen der Harburger CDU nach seinen Vorstellungen zu festigen. Für solche Spielchen stehe ich nicht mehr zur Verfügung.“

Montagnachmittag, 16.01 Uhr, hat er dem Rechtsdezernenten des Bezirksamts, Dierk Trispel, mitgeteilt, dass er sein Mandat in der Bezirksversammlung nicht annehmen wird. Nachrücker für Hagedorn ist aller Voraussicht nach Dr. Hanno Hintze, ein 45 Jahre alter Ingenieur aus Neugraben.

Als dienstältester Abgeordneter sollte Hagedorn am Dienstagabend die erste Sitzung der Bezirksversammlung nach der Wahl eröffnen. Dieses Aufgabe muss nun wohl der SPD-Abgeordnete Torsten Fuß übernehmen. Ag