131001AltePostHarburg –  Die Leute aus der Siedlung zwischen Großmoordamm, dem Obi-Baumarkt und der Stadtautobahn könnten eigentlich die Sektkorken knallen lassen: Die Deutsche

Reihenhaus AG hat nämlich jetzt mit dem Verkauf der 42 Reihenhäuser im geplanten „Wohnpark Zehntland“ begonnen, damit ist auch der Abriss der maroden, seit langem leer stehenden Behelfsheime aus den 1920er-Jahren endlich besiegelt. Gleichzeitig haben die Siedler aber erfahren, dass die Innenbehörde das Postgebäude am Harburger Bahnhof zur Erstaufnahmestation für Flüchtlinge umbauen will. Das hat sie Ende vergangener Woche entschieden.

Noch gibt es eine geringe Hoffnung, die Entscheidung zu korrigieren — sie liegt im Paragrafen 28 des Bezirksverwaltungsgesetzes. Er räumt der Bezirksversammlung das Recht ein, eine Stellungnahme abzugeben, diese soll die Fachbehörde „berücksichtigen“. Der Bezirk wird also allenfalls angehört, über den Standort der Station entscheiden kann er nicht.

Der Bezirk hat für seine Stellungnahme vier Wochen Zeit. Wie sie ausfallen wird, ist jetzt schon klar. „Wir lehnen diesen Standort ganz eindeutig ab“, sagt SPD-Fraktionschef Jürgen Heimath. Abgesehen von sachlichen Gesichtspunkten dürfe man so auch nicht mit den Menschen aus der benachbarten Siedlung umgehen: „Wir haben ihnen die Zusage gegeben, dass in ihrem Umfeld keine weitere Unterkunft eingerichtet wird.“

Die Anwohner der Unterkunft Wetternstraße hatten im vergangenen Jahr ein Bürgerbegehren gestartet, als im nur rund 400 Meter entfernten Gewerbegebiet Lewenwerder Container für eine weitere Unterkunft aufgestellt werden sollten. Auch wenn einige Medien nicht sorgfältig recherchierten und die Initiatoren der Initiative in eine ausländerfeindliche Ecke stellten, hatten die meisten Anwohner doch hehre Ziele. „Als Nachbarn der Unterkunft Wetternstraße bekamen wir hautnah mit, wie Flüchtlinge und Wohnungslose dort leben müssen“, sagt Anwohnersprecherin Iwona Mazurkiewicz. „Deshalb waren wir gegen eine weitere Unterkunft mit mehr als 100 Personen. Auch diese Menschen haben eine Würde.“ Weil die Initiative aber zu viele ungültige Stimmen gesammelt hatte, scheiterte das Bürgerbegehren knapp.

Nachbarin und Mitstreiterin Hannelore Gebhardt hofft darauf, dass sich die Bürger noch auf Aussagen des Ersten Bürgermeisters verlassen können. Olaf Scholz hatte vor wenigen Tagen in einem Interview gesagt: „Wir wollen bei den Standortentscheidungen vermeiden, dass sich die Unterbringung in wenigen Stadtteilen konzentriert.“ Die Erstaufnahmestation wäre neben den Unterkünften in der Wetternstraße und in Lewenwerder die dritte Einrichtung dieser Art in einem Radius von nicht einmal 500 Metern!

Der Vermarktungsstart für den „Wohnpark Zehntland“ ist für die Anwohner zumindest ein kleines Trostpflaster. Hier wird131001Zehntland jetzt tatsächlich neu gebaut, damit sind Gerüchte endgültig passé, nach denen die Stadt aus lauter Not Flüchtlinge in den alten Behelfsheimen unterbringen könnte. 24 Häuser des Typs „Lebensfreude“ (mit 81 Quadratmetern Wohnfläche) und 18 des Typs „Familienglück (141 m2) klingen da schon besser. Außerdem sollen sie bezahlbar sein. Carsten Rutz, Vorstand der Deutschen Reihenhaus AG: „Gerade in Hamburg herrscht eine große Nachfrage nach Wohnraum. Die eigenen vier Wände mitten in der Stadt können sich aber nur noch die wenigsten Familien leisten. Wir bieten ein Eigenheim zum Mietpreis.“

Der Wohnpark hat einen weiteren Clou zu bieten: Die Energieversorgung wird durch ein kleines Blockheizkraftwerk gesichert. Das hört sich riesig an, ist in Wirklichkeit aber nur ein handelsüblicher Pkw-Motor, der einen Generator antreibt. ag