131001SarrazinHarburg –  Er sorgt dafür, dass der Süden Hamburgs überdurchschnittlich gut im Bundestag vertreten ist. Neben dem überraschend deutlich direkt gewählten Metin Hakverdi

(SPD) ist nicht nur Herlind Gundelach (CDU) über die Landesliste nach Berlin gekommen, trotz der landesweit starken Verluste für die Grünen darf sich auch der Heimfelder Manuel Sarrazin weiterhin „MdB“ (Mitglied des Bundestags) nennen. Was hat er sich vorgenommen? harburg-aktuell hat Sarrazin gefragt:

 harburg-aktuell: Metin Hakverdi und Herlind Gundelach konnten sich schon ziemlich für freuen. Für Sie war es doch eher eine Zitterpartie. Oder?

 Manuel Sarrazin: Dass es geklappt hat, habe ich gegen 3.30 Uhr morgens im Taxi auf dem Weg nach Heimfeld nach einem Blick auf die  Homepage des Bundeswahlleiters erfahren. Dass es in die richtige Richtung geht, war mir seit der ersten Hochrechnung des Hamburger Landeswahlleiters klar. Am Ende hat es dann doch ziemlich dicke gereicht, weil die Hamburger Grünen das beste Landesergebnis bei allgemeinen Verlusten erreicht haben. Ich habe in der internen Zählung jetzt Platz 50 von 63 in der Bundestagsfraktion.

 Was hätten Sie gemacht, wenn es nicht geklappt hätte?

Ich habe im August mein Studium in Geschichte, Osteuropastudien und Rechtswissenschaft erfolgreich abgeschlossen und mir in den letzten Jahren eine kleinere Geldsumme zurückgelegt. So hätte ich mich für ein oder zwei Jahre einer geschichtswissenschaftlichen Forschungsarbeit widmen können.

 Sie sind jetzt kein Bundestags-Neuling mehr und haben Erfahrungen gesammelt. Was wollen Sie künftig anders machen?

 Ich habe bereits in der letzten Legislatur auch bei Gegenwind meine pro-europäische Haltung vertreten und dabei auch Erfolg gehabt. Ich möchte in der nächsten Legislatur vor allem ruhiger und gelassener werden, auch in Situationen, in denen ich mich aufgrund von inhaltlichen Differenzen sehr ärgere.

 Sie haben die Mitglieder des Wirtschaftsvereins bei der Kandidatendiskussion durchaus positiv überrascht. Trotzdem maulen dort einige, dass Sie sich so selten bei den Veranstaltungen des Wirtschaftsvereins sehen lassen. Können Sie nicht mit der Wirtschaft?

 Der Wirtschaftsverein lädt mich jedes Jahr zu seinem „Herrenabend“ ein. Da natürlich Parlamentstermine Vorrang haben, konnte ich bisher leider nur zweimal teilnehmen. Soweit ich mich erinnere, habe ich weitere Einladungen bisher nicht erhalten. Ich freue mich aber, wenn der Kontakt auch außerhalb dieser Veranstaltung – gerne auch auf dem kurzen Dienstweg – intensiviert wird.

 Und nun noch einmal aus Ihrer Sicht: Was haben die Grünen falsch gemacht? Warum dieser Absturz?

Die Grünen haben in ihrer Kampagne einige Fehler gemacht. Der entscheidende war, dass wir in einer Situation, in der die meisten Menschen mit einer großen Koalition gerechnet haben, keine klaren Alleinstellungsmerkmale unserer Politik deutlich gemacht haben. Darüber hinaus gibt es aber auch strukturelle Schwächen in unserer Partei, die wir jetzt gezielt angehen müssen. Ebenso müssen wir eine personelle Erneuerung einleiten.

 Ist Trittin wirklich an allem schuld?

Nein, aber auch Jürgen hat Fehler gemacht. Es ist honorig und anständig, wie er auf die Wahlniederlage reagiert hat. Er hat viel für die Partei und auch für Europa in einer ganz schwierigen Zeit der europäischen Einigung geleistet.

 Sie hatten sich in einem Interview schon fünf Jahre vor der schwarz-grünen Koalition in Hamburg für dieses Bündnis eingesetzt.  Und was empfehlen Sie jetzt?

Der Platz der Grünen nach dieser herben Niederlage ist jetzt in der Opposition. Dort müssen wir uns auf Bundesebene inhaltlich und personell neu aufstellen.

Das Interview führte Andreas Göhring