130906grueneHarburg – Vor dem Harburger Rathaus wird Fracking sicher nicht gestoppt. Auch nicht durch einen klapprigen Bohrturm, der nicht einmal wie versprochen vier Meter

sondern nur schlappe zwei Meter hoch ist. Aber die Grünen setzen auf Symbolik: Die Aktion an prominenter Stelle sollte die Menschen in Harburg wachrütteln.

Auch unter dem Harburger Rathausplatz vermutet der internationale Energiekonzern Exxonmobil Erdgas, das man nur noch mit Hilfe eines Chemikalien-Cocktails aus dem Schiefergestein lösen müsste.

Das kann nicht wahr sein? Doch! Die Hamburger Wirtschaftsbehörde hat dem Konzern schon eine „Aufsuchungsgenehmigung“ erteilt. Jetzt kann er schon mal suchen. Auch unter dem Harburger Rathausplatz!

„Ein Irrsinn“, sagt der Harburger Grünen-Bezirksabgeordnete Jürgen Marek. „Unglaublich, dass man so eine Risikotechnologie in einer Millionenstadt überhaupt ernsthaft in Erwägung zieht.“ Um dem Protest gegen das Fracking die richtige Wucht zu geben, hatten die Grünen neben den Bezirkspolitikern jede Menge grüne Prominenz aufgefahren. Die beiden Hamburger Spitzenkandidaten Anja Hajduk und Manuel Sarrazin wurden von der  Bundesparteivorsitzenden Claudia Roth begleitet.

Die ganze Aktion hatte allerdings einen kleinen Haken: Sie war illegal. Wenn es dick kommt, droht den Grünen jetzt sogar ein Bußgeld. Vielleicht könnte sich aber auch das Bezirksamt überlegen, ob es effektiv und zeitnah arbeitet. Die Grünen hatten nämlich am 27. August ordnungsgemäß einen Antrag auf „Sondernutzung des öffentlichen Raums“ gestellt. Diese wurde ihnen auch genehmigt, allerdings erst Stunden nach der Aktion. Warum braucht das Bezirksamt acht Werktage, um eine halbstündige Aktion vor dem Rathaus zu genehmigen?

„Der Harburger Rathausplatz ist eine Grünanlage“, sagt Amtssprecherin Bettina Maak. „Deshalb war die zuständige Fachabteilung MR3 zu beteiligen.“ MR 3 ist die Abteilung Stadtgrün, zuständig für Baumkontrolle, Straßenbegleitgrün, Friedhofsverwaltung und Unterhalt der Grünanlagen. Maak: „Die Grünen haben eine Zwischennachricht bekommen, dass noch Stellungnahmen ausstehen.“ Am Tag der Aktion habe der Fachbereich dann von der Fachabteilung die Rückmeldung erhalten. MR3 habe keine Bedenken. Maak: „Bis zu dem Vorfall wurde jedoch keine Erlaubnis erteilt.“ ag