130728Wulff1Harburg – Einer der führenden Neonazis Deutschlands will über Harburg für die NPD in den Bundestag. Thomas Wulff ist Direktkandidat im Wahlkreis 23 der rechtsradikalen Partei.

Am Freitag haben die meisten Mitglieder der Aufstellung für die Bundestagswahl zähneknirschend zugestimmt. Die NPD hatte sämtliche Formalien für die Aufstellung Wullfs erfüllt.

Für die Mitglieder des Kreiswahlausschusses war es ein starker Tobak. Denn mit Thomas Wulff, der sich in Anlehnung eines Generals der Waffen-SS gern „Steiner“ nennen lässt, hat sich ein rechtsradikales Schwergewicht den Wahlkreis Harburg-Bergedorf als Direktkandidat ausgesucht.

Wulff ist seit den 1980er Jahren in der Neonazi-Szene aktiv und bundesweit eine der führenden Figuren. Zu seinen Weggefährten aus der frühen Zeit gehört der 1992 an einer Aids-Erkrankung verstorbene Michael Kühnen. Auch Christian Worch, der wie Wulff mittlerweile von Hamburg nach Mecklenburg-Vorpommern zog und ebenfalls als einer der führenden Köpfe der Neonazi-Szene in Deutschland gilt, ist ein langjähriger Gefährte auf braunen Wegen.

Als "Ziehvater" gilt der 2009 verstorbene Neonazi Jürgen Rieger, der sich in den Jahren vor seinen Tod ebenfalls in der NPD engagiert hatte.

In der ersten Abstimmung verweigerten die Mitglieder des Wahlausschusses dem Direktkandidaten Wulff die Zustimmung. So musste Dierk Trispel, Dezernent Steuerung und Service im Bezirksamt Harburg und Leiter des Kreiswahlausschusses, noch einmal Punkt für Punkt alle Formalien durchgehen und die Belege für die Erfüllung, wie Unterschriftenlisten, hochhalten. „Es war eine formale Geschichte, bei der der Kreiswahlausschuss lediglich festzustellen hat, ob die formalen Voraussetzungen für eine Direktkandidatur vorliegen“, sagt der SPD Bezirksabgeordnete Heinz Beeken, welcher dabei war.

Am Ende waren die Formalien erfüllt. Die Verweigerung der Zustimmung zur Kandidatur hatte zwangsläufig zu einer Korrektur  des Landeswahlausschusses geführt. So war es am Ende nur der Mann der Linken, der seine Stimme verweigerte.

Die NPD hatte das Prozedere genau im Auge. Der Harburger Peter Adler, auf der Hamburger Landesliste der NPD zur Bundestagswahl die Nummer 3 ist, war als Vertrauensmann in den Kreiswahlausschuss geschickt worden. Adler war 2011 zur Bürgerschaftswahl 2011 in Harburg als Direktkandidat für die NPD angetreten und hatte im Wahlkreis 2606 Stimmen bekommen. Zum Vergleich:  Sören Schumacher, erfolgreichster Direktkandidat bekam 28.285 Stimmen, Birgit Stöver, erfolgreichste Kandidatin der CDU, bekam 14.212 Stimmen. Der mittlerweile verstorbene Kandidat der Grünen, Ronald Preuß, bekam 4431, Kurt Duwe von der FDP 3471 und Sabine Boeddinghaus als erfolgreichste Kandidatin von der Partei Die Linke bekam 2874 Stimmen.

Das Adler den Wahlkreis 23 an Wulff , der gleichzeitig auf der Landesliste an erster Stelle kandidiert, abgeben musste, deutet darauf hin, dass 130728Wulff2sich die Rechtsradikale Partei  im Wahlkreis 23 besonders viele Stimmen im Bereich Hamburg erhofft.

Dabei dürfte der Bereich Bergedorf eine wichtige Rolle spielen. Der Bezirk war in den frühen 1990er Jahren eine Hochburg der Neonazi-Szene in Hamburg. Wulff stammt aus Bergedorf. Der dreifache Familienvater, welcher als Markenzeichen eine lederne Arbeitermütze trägt und heute in Mecklenburg-Vorpommern wohnt, war über den Ortsvorsitz in Bergedorf zurück in die  Hamburger NPD-Szene gekommen und ist aktuell stellvertretender Landesvorsitzender der rechtsradikalen Partei, die laut Verfassungsschutzbericht 130 Mitglieder in der gesamten Hansestadt hat.

Realistisch gesehen hat Wulff weder über den Listenplatz, noch als Direktkandidat auch nur den Hauch einer Chance in den Bundestag einzuziehen. Die Kandidatur dürfte innerhalb der Neonazi-Szene wichtig für seine Bedeutung sein. zv