091031Demo3Wilhelmsburg - Nerv-Demo auf der Wilhelmsburger Reichsstraße. Am Sonnabend zottelten rund 1500 Demonstranten von der Anschlussstelle Wilhelmsburg Süd Richtung Mengestraße. Sie sind wütend, dass über die Elbinsel neue Autobahnen geplant sind. Dort sieht man sich als Stadtteil dritter Klasse. Der Vorwurf: Während in Hamburg Autobahnen für viel Geld unter einem grünen Deckel verschwinden sollen, werden in Wilhelmsburg gleich mehrere neue Trassen geplant. Aus Protest wurde die Strecke in Richtung Innenstadt blockiert. Hinter dem Demo-Zug, in dem auch SPD-Mann Hans-Ulrich Klose ganz vorn mitging, stauten sich die Autos. Dort gab es wenig Verständnis für die Aktion. „Hier geht es ganz offensichtlich nur darum möglichst viel zu Behindern. Links und recht der Reichsstraße wohnt ja niemand und ist kein Publikum, das etwas von dem Protest mitbekommen würde“, sagt Autofahrer Frank Neumann. „Ich frage mich, warum so eine Aktion, die auf dem Rücken anderer Bürger ausgetragen wird, auf der Reichsstraße stattfinden durfte.“
Ein Sprecher der Demonstranten bezeichnete den Aufzug als „Höhepunkt“ nach vielen kleinen Aktionen in den vergangenen Monaten. Hier würde man „den Bullen bei den Hörnern packen“. Den Groll der Autofahrer kann er verstehen. „Sie stehen jetzt eine Stunde im Stau. Wir wollen verhindern, dass sie später dauernd im Stau stehen.“ Denn nach Ansicht der Kritiker würde mehr Verkehr angezogen, der sich dann vor dem Nadelöhr Elbbrücke staut. Sie wollen eine Reichsstraße, die zu einem Boulevard umgestaltet wird. Auf die Hafenquerspange soll verzichtet werden. Hauptsächlich über die A1 sollen die Autos nach Hamburg kommen. Dazu möchte man ein „Gesamtverkehrskonzept“ für den Hamburger Süden.
Der Senat setzt auf eine Hafenquerspange, die den Bereich Harburg entlastet. Die Reichsstraße soll verlegt und mit besserem Lärmschutz ausgestattet werden. Fahrzeuge, die über die Hafenquerspange kommen, dürfen dann nicht mehr auf die Reichsstraße abbiegen, um durch Wilhelmsburg zu fahren. Sie werden direkt auf die A1 geleitet. In Moorburg wird dafür eine neue Brücke gebaut. Bei der Umsetzung steht man unter Zeitdruck. Denn die Köhlbrandbrücke wird in absehbarer Zeit baufällig sein. zv
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