RathausHarburg - Zunächst die Fakten: Nach einer langen, über weite Strecken peinlichen Debatte hat die Bezirksversammlung mit den Stimmen von SPD und FDP bis zu 100.000 Euro für die „künstlerische und energieeffiziente

Beleuchtung“ des Gloria-Tunnels bewilligt.

 

Damit ist allerdings noch nicht klar, ob der Harburger Künstler Mentor A. Ejupi Toro (besser bekannt als „Toro“) wirklich den Auftrag bekommt, in Zusammenarbeit mit der Harburger LINKSrechts Ingenieurgesellschaft den Fußgängertunnel zwischen Lüneburger Straße und Seeveplatz zu illuminieren. Wahrscheinlich gibt es in Kürze zunächst eine Ausschreibung.

 

Somit ist in der Sache eigentlich alles gesagt, die Debatte hat aber ein paar grundsätzliche Probleme der Harburger Kommunalpolitik deutlich gemacht: So hat Harburg eigentlich alle Chancen, ein attraktives Stadtquartier mit Universität, mehreren Einkaufspassagen, einem Wochenmarkt, einer Kneipenmeile, Wohnen am Wasser und viel Natur in greifbarer Nähe zu sein.

Das alles zieht aber nicht so richtig, weil Harburg immer noch einen eher unterirdischen Ruf hat. So ein Image lässt sich nicht von heute auf morgen ändern, wenn überhaupt, funktioniert dies vor allem durch eine emotionale Aufwertung einer Region. Recklinghausen hat sich zum Beispiel eine feuerspeiende Drachenbrücke gegönnt. Eigentlich irrsinnig unnütz, aber seither ist die Kohlenpott-Stadt eine Touristenattraktion. Auch im channel hamburg weiß man, wie man seine „Community“ und Tausende darüber hinaus emotionalisiert: mit einer herrlichen „Nacht der Lichter“!

So gesehen sind Entscheidungen für den Bau einer spektakulären Drehbrücke oder einer nur aus U-Booten und Hubschrauberlandeplätzen bekannten Illumination des Gloria-Tunnels goldrichtig. Wechselt man allerdings die Perspektive und betrachtet einmal nicht das Harburger Problem-Image verliert man schnell das Verständnis, warum 100.000 Euro für ein paar LED-Leuchten oder gar mehrere Millionen für eine Drehbrücke ausgegeben werden sollen. Im Frühjahr wurden zum Beispiel mehrere Zehntausend Euro einfach einkassiert, mit denen ein Bolzplatz für Kinder und Jugendliche im Neubaugebiet Scharnhorst Höhe angelegt und mit denen Blinden und Sehbehinderten die Teilnahme am Leben in der Harburger Innenstadt erleichtert werden sollte.

Die Grundsatzentscheidung zwischen der wichtigen emotionalen Aufwertung Harburgs und dem sozialen Engagement der Bezirksversammlung hätte in diesem speziellen Fall indes eigentlich gar nicht getroffen werden dürfen, denn die Vorlage, mit der die Verwaltung das Geld für die Tunnelbeleuchtung eingeworben hat, war spürbar mit heißer Nadel gestrickt worden. Sie strotzt nur so vor Grammatik- und Rechtschreibfehlern, man fragt sich wirklich wie eine solche Ansammlung von sinnentleerten Sätzen Grundlage einer Entscheidung über die Ausgabe von 100.000 Euro sein kann!

Die Debatte passte sich der Vorlage der Verwaltung an, man warf sich gegenseitig Niveaulosigkeit vor. Und damit hatten alle recht. ag