121021MoorburgMoorburg - Die Staatsräte-Tournee durch den Bezirk Harburg geht weiter. Ihr erklärtes Ziel: Sie soll die Akzeptanz für die Entscheidung des Senats steigern, drei ehemalige Sicherheitsverwahrte ausgerechnet in einem alten

Bauernhaus in Moorburg unterzubringen. Obwohl das Treffen mit rund 100 Moorburger Frauen schon der vierte Auftritt der Staatsrats-Riege war, ist das Ziel nicht erreicht worden.

Im Gegenteil: Bisher haben Sozial-Staatsrat Jan Pörksen und Justiz-Staatsrat Ralf Kleindiek nur die Politikverdrossenheit gesteigert – und das liegt vor allem an ihrem persönlichen Auftreten.

Schon bei der Bürgerversammlung in der Pausenhalle der Moorburger Schule hatten sich Pörksen und Kleindiek als eiskalte Technokraten präsentiert, deren Verständnis für die Situation der Moorburger bestenfalls geheuchelt ist. Als eine Frau zugab, in einem dünn besiedelten Dorf mit nur einer großen Straße beim Gedanken an die neuen Nachbarn in dem alten Bauernhaus abends schon ein ziemlich mulmiges Gefühl zu haben, versuchte Kleindiek, die Situation zu verharmlosen: „Wenn sie ein Problem mit der Situation haben, bitten wir Ihnen psychologische Betreuung an.“

Bei dem jüngsten Treffen mit den Moorburger Frauen verriet ein gereizter Staatsrat Pörksen mit einer einzigen Bemerkung, dass es womöglich gar keine sachlichen Gründe waren, die entscheidend für den Standort Moorburg waren. Waren es doch eher taktische Überlegungen? Pörksen fuhr seine Kritikerinnen aus Moorburg nämlich an: „Wenn Ihnen unsere Entscheidung nicht passt, können Sie uns ja bei nächster Gelegenheit abwählen!

So eine Bemerkung wäre durchaus mutig, wäre sie in einem Stadtteil wie Jenfeld mit mehreren zehntausend Wählern gefallen. Aber in einem Dorf mit vielleicht 500 Wahlberechtigten ist sie nur noch verräterisch. Pörksen hat den Verdacht, den viele Moorburger von Anfang an hatten, nur bestätigt: Der Senat bringt die Ex-Sicherheitsverwahrten nur deshalb in Moorburg unter, weil er dort den geringsten Widerstand erwartet. ag