120820HakverdiRönneburg - Nein, er mache keinen Wahlkampf. Metin Hakverdi war nur in den Vorgarten der Rönneburgerin Isabel Wiest gekommen, um sich über die Lage am Vogteiweg zu informieren. Die Detailarbeit überließ der

Wilhelmsburger SPD-Bürgerschaftsabgeordnete seinem Fraktionskollegen Frank Wiesner („Togo-Frank“) und dem SPD-Bezirksabgeordneten Torsten Fuß.

 

Rund 50 Anwohner waren der Einladung Isabel Wiests ebenso gefolgt, und so konnte Hakverdi sprichwörtlich am eigenen Leib erfahren, dass sich in dem Wahlkreis, den er ab Ende 2013 gerne im Bundestag als Nachfolger des Langzeit-Abgeordneten Hans-Ulrich Klose vertreten möchte, ein echter kommunalpolitischer Brennpunkt immer mehr hochkocht.

Die Anwohner sind „auf Zinne“, sie sind die Leidtragenden einer verkehrsplanerischen Fehlkonstruktion. Sie leben an einer Straße, die mit ein paar Schildern als Tempo-30-Zone ausgewiesen ist, die mangels leistungsfähiger Alternative de facto aber als Hauptverkehrsstraße zwischen Harburg und Meckelfeld genutzt wird. Donnernde Container-Sattelzüge, die sicher nicht die Nahversorgung der Rönneburger sichern, und Temposünder, die die Rechts-vor-Links-Regelung ignorieren und inzwischen eine beängstigende Unfallstatistik füllen – das ist die tägliche Erfahrung der Anwohner von Vogteistasse und auch der Jägerstraße.

Die Bezirksversammlung hat nach mehr als einem Jahrzehnt Nichtzurkenntnisnehmen längst eine Beruhigungspille beschlossen – den Einbau von ein paar Fahrbahnverengungen, die die Straße auch optisch zur Tempo-30-Zone machen. Torsten Fuß hatte es übernommen, den Rönneburgern ein paar schlechte Nachrichten zu verkünden. So werde sich der Einbau der bremsenden „Nasen“ verzögern, weil es noch erheblichen Abstimmungsbedarf – unter anderem mit dem HVV – gebe. Und weil noch einmal eine Verkehrszählung angesetzt worden ist. Außerdem spendiere man der Vogteistraße eine neue Asphaltdecke, obwohl noch nicht einmal verlässlich geklärt worden ist, ob der Unterbau der Straße überhaupt für Lkw geeignet ist.

All das brachte die Anwohner in Rage. Torsten Fuß, der sich schon einmal mit der Ankündigung eine Basta-Lösung („Wir stellen in Meckelfeld ein paar Verbotsschilder für Lkw über 7,5 Tonnen auf. Und fertig!“), der dann aber keine Taten folgten, den Mund verbrannt hatte, ließ sich ebenfalls in Rage bringen und donnerte los: „Wenn sie mit unseren Maßnahmen nicht zufrieden sind, heben wir die Tempo-30-Zone eben wieder auf. Dann gilt wieder Tempo 50.“ Es ist nicht überliefert, ob die Empörung der Anwohner bei den beiden Oppositions-Bezirksabgeordneten Kay Wolkau (Grüne) und Martin Hoschützky (CDU) klammheimliche Freude auslöste...

Metin Hakverdi hatte sich längst still und leise von der aufgebrachten Menge entfernt. Hier war für ihn kein Blumentopf zu gewinnen. Stattdessen schaute er sich mit Isabel Wiest, die beharrlich versucht, den Anwohnerprotest zu kanalisieren und in konkrete Ergebnisse umzumünzen, den Feierabendverkehr in der Vogteistraße genauer an. Der lief in diesen Minuten besonders stockend, rein „zufällig“ waren auch gerade auffallend viele Pkw am Straßenrand abgestellt worden.

Bei den Rönneburgern hat der Wilhelmsburger Hakverdi wohl weniger gepunktet, das Signal für den SPD-Kreisverband Harburg aber war eindeutig: Seht her! Hier bin ich! Die SPD will zwar erst in einigen Monaten entscheiden, wer für sie als Bundestagskandidat für den Groß-Wahlkreis Harburg/Bergedorf/Wilhelmsburg antritt, Hakverdi zeigt im Gegensatz zum SPD-Kreisvorsitzenden Frank Richter und anderen möglichen Kandidaten aber schon mal Flagge. mz