120421FischerHarburg - Die SPD bemüht sich zurzeit, die Diskussionen über einen Nachfolger von Hans-Ulrich Klose als Bundestagskandidat für den Wahlkreis Harburg/Bergedorf durch öffentliche Äußerungen nicht weiter anzufachen.

Und auch die CDU schweigt beflissentlich, dabei ist gerade bei ihr Feuer unter dem Dach: Denn mit dem Rückzug des scheinbar unbezwingbaren Alt-Bürgermeisters  Klose waren die Chancen für die CDU seit Bestehen des Bundestags noch nie so hoch, bei den Wahlen im September 2013 zumindest ein achtbares Ergebnis, wenn nicht sogar noch mehr, zu erzielen.

 

CDU-Kreischef Ralf-Dieter Fischer (Foto) schmückt sich auf seiner Homepage im Internet zwar immer noch mit einem Foto, auf dem er (erstaunlich schlank) Bundeskanzlerin Angela Merkel anhimmelt, und dem Slogan „Für Harburg und Bergedorf“. Aber das ist eher etwas fürs Fischer-Archiv. Diese Seite wurde zuletzt am 25. Mai 2007 aktualisiert. Offenbar will er nicht  noch einmal kandidieren. Zum einen hatte er vor sieben Jahren eine Schlappe als Bundestagskandidat einstecken müssen, vor allem aber scheint ihm nach der schweren CDU-Schlappe in Hamburg Opposition besonders viel Spaß zu machen.

2009 war dann Wolfgang Müller-Kallweit gegen den Willen von Fischer, aber mit Unterstützung des Bergedorf CDU-Urgesteins Fritjof Kelber angetreten. Aber auch er hatte gegen Klose keine Chance. Zudem ist „WMK“ politisch inzwischen völlig abgetaucht und hat sogar den Vorsitz des CDU-Ortsverbands Hausbruch verspielt. Ohne eigene Hausmacht und ohne erneute Unterstützung von Kelber wird Müller-Kallweit keine Rolle mehr spielen.

Bei der Frage nach einer möglichen Bundestagskandidatur wird der Marmstorfer CDU-Vorsitzende und „Jahrtausend-Schützenkönig“ (er schoss im Jahr 2000 den Vogel ab) Rainer Bliefernicht auffallend gesprächig. Nicht dass er eine Kandidatur anmeldet, aber er lässt schon durchblicken, dass er sich zu Höherem berufen fühlt – möglicherweise auch getrieben von dem Zuspruch, den er als markiger Sprücheklopper im Marmstorfer Dorf erfährt. Fraktionsvize in der Bezirksversammlung und stellvertretender Kreisvorsitzender – das ist für Bliefernicht nach eigener Einschätzung mindestens eine Nummer zu klein.

DRK-Kreisgeschäftsführer und CDU-Kreisverbands Schatzmeister Harald Krüger hält sich dagegen völlig bedeckt. Offenbar sitzt der Frust nach der CDU-Schlappe und dem überraschenden Verlust des Bürgerschaftsmandat tief.

Außerdem warten in der nächsten Generation der Harburger CDU mit Birgit Stöver und André Trepoll gleich zwei mögliche Kandidaten. Stöver hat sich erstaunlich schnell an der Spitze der Bürgerschaftsfraktion etabliert und vor einigen Monaten auch mit dem Vorsitz des mitgliederstarken Ortsverbands Harburg-Mitte die Unterstützung der Basis gesichert. Vielleicht kommt für sie eine Kandidatur zu früh. Neben der politischen Arbeit in der Bürgerschaft warten auf sie zurzeit auch verschärfte häusliche Pflichten: Ihr dritter Sohn ist wenige Tage alt. Andererseits beweist Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen eindrucksvoll, dass selbst sieben Kinder kein Grund sind, nicht in Berlin tätig zu sein.

Was für Birgit Stöver gilt, gilt auch für André Trepoll: In der Bürgerschaftsfraktion hat er sich schnell ganz oben etabliert. Vor allem aber ist er im Bereich Süderelbe einer der wenigen Politiker, der dank offensiver Öffentlichkeitsarbeit ein Gesicht hat. mz