120306igs Wilhelmsburg- Die internationale Gartenschau (IGS) und die Bauausstellung (IBA) sollen Wilhelmsburg einen kräftigen Schub verpassen. Mit den beiden Events wird die Elbinsel Bühne für Gärtner, Landschaftsarchitekten und Designer, die mit ihren Austellungen die Besucheranlocken sollen. Entschprechend groß ist die Vorfreude auf das nächste Jahr, man verspricht sich viel. Doch in Euphorie und Hype mischen sich inzwischen auch kitische Töne. Denn Naturschützer kritisieren die Planungen für die baulichen Maßnahmen, die seit Monaten auf Hochtouren laufen. Im Kern geht es um ein rund 40 Hektar großes Biotop zwischen der Dratelnstraße und der Reichstraße, in dem sich eine vielfältige Tierwelt und eine ausgeprägte Faune entwickelt und über Jahrzehnte etabliert hat. "Dieser Bereich ist ein Ausweichquartier für viele Tiere, die aufgrund der Baumaßnahmen aus dem Wilhelmsburger Park vetrieben wurden", wettert Harald Köpke. Der 63-Jährige arbeitet ehrenamtlich beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Und nun soll direkt an der Dratelnstraße ein Parkplatz für 1400 Autos entstehen. Der Naturschützer, selber Bewohner auf der Elbinsel, fürchtet, dass damit die Tiere endgültig verdrängt werden und ein hochentwickelter Lebensraum zerstört wird. Andere Flächen, zum Beispiel am Reiherstieg und am Hauland wurden als Parkmöglichkeiten für die Besucher seitens der Verwaltung ausgeschlossen.

Doch Köpcke stört sich nicht nur an den Bauplanungen. Auch das Vorgehen der Satdt stößt ihm mächtig auf. Denn bei der Beurteilung haben die Verantwortlichen nicht das Biotop, sondern ein im Bauplan verankertes Industriegebiet als Maßtab angelegt. "Als Grundlage wurde der Bauplan "Wilhelmsburg 16" herangezogen, dieser stammt jedoch noch aus den 1970er Jahren. Und weil ein Industriegebiet als ökologisch nicht so bedeutsam wie ein Biotop angesehen wird, wird auch die Ausgleichsfläche geringer ausfallen", erklärt Köpke. Von einem Gutachter wurde der Fläche eine ökologische Bedeutsamkeit von acht Punkten gegeben. Hätte man jedoch das Biotop als Referenz herangezogen, wäre der Raum wohl als zu schützendes Areal mit zu erhaltenden Arten eingestuft worden und somit auf der Werteskala eine viel höhere Zahl herausgekommen.

Der Naturschützer will sich keinesfalls als Feind der beiden Events verstanden wissen, erwartet aber Entscheidungen, die der Natur keinen schaden zufügen. Er ergänzt: "Die IBA und IGS sind beides Austellungen mit einer sehr großen Bedeutung. Trotzdem muss dafür gesorgt werden, dass aufgrund der Baumaßnahmen auch Ausgleichsmöglichkeiten geschaffen werden, damit die Natur nicht zerstört wird." Bis der Bagger anrollt, wird sich Köpke weiter für die Bewohner des Biotops einsetzen. (pw)