110222MGHarburg - Kein Stimme für Michel Gerard. Nicht ein einziger der 105.243 Wahlberechtigten im Bezirk Harburg war offenbar bereit bei Kandidaten der Partei Die Partei ein Kreuzchen zu machen. Bis zum Dienstagabend, als

der ganz überwiegende Teil der Wahlzettel aus dem Bezirks ausgezählt waren, konnte der 31-Jährige keine Stimme verbuchen. Wie konnte das passieren? Spurensuche.

Der Mann ist Gartenbaugeselle und studiert. Er wohnt auf St. Pauli und ist, glaubt man Facebook, ein Fan des traditionellen amerikanischen Festtagsbraten Turducken. Das hat vermutlich einen Bekanntheitsgrad wie sein Stimmenanteil in Harburg. Hobbyköchen zur Warnung: Es ist ein sehr aufwendiges Gericht, bei dem ein Truhthahn, eine Ente und ein junges Hühnchen entbeint, natürlich schon tot, aber dann ganz belassen der Größe nach wie russische Matrjoschka-Holzpuppen ineinander gesteckt und zusätzlich mit Maisbrot und Wurstbräd gefüllt werden, um dann in den Backofen zu kommen. Allein das hätte mehr als eine Stimme verdient.

Mehr als eine Stimme hätte auch sein Musikgeschmack verdient. SchlagerBernd, der Mann, dem man zu den Themen "Liebe", Romantik", "Leidenschaft" und "Gute Laune" blind vertrauen kann, steht bei ihm auf der Hitliste ganz oben.

Zu spät, die Bürgerschaftswahl ist gelaufen. Die Opposition wird ohne Michel Gerard auskommen müssen. Der Trost für den Wähler: Nach der Wahl ist vor der Wahl. In vier Jahren kann Michel Gerard wieder gegen Olaf Scholz antreten. zv