110103Wulff1Harburg - Die Kundgebung auf dem Seeveplatz am letzten Sonnabend war nach Einschätzung des Verfassungsschutzes für die NPD ein echter Reinfall. „Die Veranstaltung verlief aus Sicht der Partei keineswegs wunschgemäß“,

so ein Bericht der „Schlapphüte“.

Zwar hätte es bei der Versammlung, bei der Thomas Wulff (Foto) als Redner auftrat, kaum Zwischenfälle und Störungen gegeben, allerdings sei außer Gegendemonstranten und Polizisten kein Publikum vor Ort gewesen. „Die gut 60 NPD-Anhänger blieben unter sich“, stellt der Verfassungsschutz fest.

Das Geld für den Aufmarsch stammt nach Erkenntnissen der Verfassungsschützer aus dem sonnigen Spanien. Dort machte ein Altnazi mit Tourismus und Immobilien ein Vermögen. Der Mitbegründer der NPD steckt bereits seit Jahren gern der Partei etwas zu. Diesmal war es der Landesverband Hamburg. Der hatte laut Verfassungsschutz für die Wahlkampffinanzierung von der Bundespartei eine Absage bekommen.

Das die Neonazis ausgerechnet in Harburg in dem Umfang aufmarschierten hat nach Einschätzung von Fachleuten weder etwas mit einem besonders für die Partei freundlichem Umfeld noch mit besonders vielen hier wohnhaften Anhängern zu tun. „Sie treten in verschiedenen Stadtteilen Hamburgs mit unterschiedlichen Themen auf“, sagt Verfassungsschutz-Mitarbeiter Marco Haase. „Ich erinnere zum Beispiel die Agitation gegen Moscheebauten in Bergedorf. Die Rechtsextremen instrumentalisieren auch aktuelle Ereignisse für ihre politischen Zwecke, zum Beispiel das Thema Gewaltkriminalität, um auf üble Art und Weise gegen ausländische Mitbürger Stimmung zu machen.“


Konkret waren es die Angriffe auf Polizisten, die tödliche Attacke zweier Jugendlicher am Seeveplatz auf einen Dachdecker oder der tödliche Messerangriff auf einen Jugendlichen an der Bremer Straße, die der NPD die Vorlage für ihren Auftritt lieferten.

„Vor etlichen Jahren war die rechtsextreme Szene in Harburg stärker, auch zahlenmäßig.“, so Haase. „Es gab mehr Organisationen, es gab Auseinandersetzungen zwischen Rechten und Linken.“ Damals wären auch die Verbindungen nach Nordniedersachsen intensiver gewesen. Haase: „Das ist in dieser Qualität aber heute nicht mehr so, die Rechtsextremen sind deutlich schwächer geworden.

Harburg ist, wie gesagt, kein besonderer Hort brauner Aktivitäten. Rechtsextreme werden sicherlich auch in Zukunft dort auftreten, aber auch anderswo in Hamburg.“ zv