100930Kinderheim2 Hausbruch - Für die Anwohner ist es ein Reizthema. Im Haus am Bredengrund mit der Nummer 13 sollen Kinder aus Problemfamilien einziehen. Sofort formierte sich eine Anwohnerinitiative. Die Zeichen stehen auf Streit.

Bezirksamtsleiter Torsten Meinberg schaltete sich ein, um zu vermitteln, obwohl der Einzug des Heims längst beschlossen ist.

 

Den Einzug der Einrichtung des Erwin-Brenner Kinderheims wollen viele Anwohner nicht. Die Nachbarschaft gründete die Bürgerinitative "Bredengrund". Die Gruppe äußerte ihre Skepsis in einem Brief an das Bezirksamt. Darin beruft sich die Initative auf die Bau- Nutzungsverordnung: "Die Bebauung von Kinderheimen ist nur in allgemeinen, nicht aber in reinen Wohngebieten erlaubt." Ein Vertreter von der Baubehörde unterrichte die Gruppe und meint, "dass planungsrechtlich alles korrekt sei. Ein Baurecht sei auch nicht nötig, da das Gebäude nur im Innenbereich umgebaut wird."

Die Mitglieder dieser Initative  monierten die mangelnden Aufklärung. Dr. Eckhart Missfeld etwa sagte: "Wir hätten viel früher über die Planungen informiert werden müssen. Nur zufällig habe ich von dem Vorhaben etwas mitbekommen - das kann nicht sein." Tatsächlich dürfte weit mehr als Planungsrecht hinter den Befürchtungen stecken. In Hausbruch hatte vor Jahren eine Einrichtung für Kinder für Schlagzeilen gesorgt. Die dort untergebrachten Kinder und Jugendlichen waren immer wieder in Kriminalität verwickelt gewesen.

Der Geschäftsführer des Kinderheims, Toni Dix versuchte den Bürgern die Ängste zu nehmen, bald würden wieder kriminelle Jugendliche Einzug in ihrer Straße erhalten. "Wir spielen, basteln und verreisen mit den Kindern. Alles das was Sie mit ihren Kindern auch machen. Nur das diese Mädchen und Jungen nicht frei von Sorgen sind." Einige Anwohner befragten die Verantwortlichen, über die Betreuung der Kinder. Dazu sagte Dix: "Hier werden insgesamt fünf Sozialpädagogen tätig sein und sich abwechselnd um die zehn Kinder kümmern." Im Bredengrund werden Kinder einziehen, die in der Familie zum Beispiel Opfer von Gewalt geworden sind. "Wir sind kein Gefängnis oder Drogenheim", sagt Dix den Bürgern.

Bei der Veranstaltung wurde aber auch deutlich, dass das Kinderheim nicht nur auf Kritik stößt. Es besteht aber Klärungsbedarf. Eine Anwohnerin sagte: "Ich begrüße das Projekt grundsätzlich, wünsche mir aber einen Ansprechpartner, falls es Probleme geben sollte."

Der Befürchtung ab sofort werde in der Wohngegend zu vermehrten Einbrüchen kommen, steuerte Torsten Meinberg entgegen: "Da kann ich Entwarnung geben, dies wird kein gefährdeter Bezirk." Die Anwohner fragen sich auch, warum ein Kinderheim in einem funktionierenden Wohngebiet installiert werden muss. "Wir wollen den Kindern bürgerliche Tugenden und Werte vermitteln. Da ist auch das Umfeld entscheidend", so Steffen, Geschäftsführer der Trägerschaft für soziale Einrichtungen. Das Grundstück ist nach Aussage von Steffen an das Heim und nicht an die Stadt veräußert worden.

Fest steht: Die Kinder werden in das Heim einziehen, vorraussichtlich im November. Torsten Meinberg "begrüßt das pädagogische Konzept des Heims und findet auch den Standort passend." Er selbst hatte eine Anliegerwohnung in der Gegend und kannte die Vorgänger des Hauses. In Zukunft werden sich die Nachbarn wohl mit dem Heim arrangieren müssen, die Verantwortlichen hoffen auf eine "erfolgreiche Zusammenarbeit". Die Diskussion könnte dafür ein Anfang gewesen sein. (pw)

 

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