Harburg – Wer wird Harburgs neuer Bezirksamtsleiter? Oder wird es, was sich nicht wenige wünschen, zum ersten Mal eine Frau? Spannende Zeiten

in der Harburger Politik – zurzeit allerdings hinter verschlossenen Türen! Nur gelegentlich dringen ein paar Wortfetzen nach außen. Sie lassen sich aber noch nicht zu einem klaren Bild zusammenfügen.

Inzwischen geht es um mehr als um die Nachfolge von Thomas Völsch. Seit seinem Tod Ende November ist viel Zeit vergangen, Dierk Trispel, amtierender Bezirksamtsleiter und Dezernent für Steuerung und Service, läuft langsam heiß. Er hat schon seit Frühjahr 2017, als Völsch sich zum ersten Mal krank melden musste, doppelt zu tun. Der Vorschlag, ihn bis zur Bezirkswahl im Mai 2019 „einfach“ so weitermachen zu lassen, spricht nicht gerade für die Wertschätzung der Arbeit von Dezernenten. Mit den Monaten ohne Entscheidung über die Nachfolge von Völsch ist die Bezirkswahl näher gerückt und damit die Frage: Was wird danach? Noch einmal fünf Jahre GroKo?

Wie zu hören war, sind aus den ursprünglich 19 Bewerber inzwischen fünf Personen ausgesiebt worden, die für das mit rund 8000 Euro Grundgehalt dotierte Amt in Frage kommen. Nach Informationen von harburg-aktuell ist unter den letzten Fünf eine Frau. Sie soll gute Chancen haben – zumindest bei der SPD, nicht nur in Harburg, sondern auch auf Landesebene. Die CDU soll dagegen nicht gerade begeistert sein.

Gleichwohl gibt sich CDU-Chef Ralf-Dieter Fischer optimistisch. Gerade hat er mit dem Verzicht auf den Kreisvorsitz Ballast abgeworfen, um sich mit aller Kraft – einschließlich der kommenden Legislatur – auf die nächsten sechs Jahre als allmächtiger Fraktionschef zu stürzen. Und das heißt für Fischer: sicher nicht als Oppositionsführer! Er lässt keinen Zweifel daran, dass er sich weiter als den Harburg-Macher in einer GroKo sieht. Realistisch gesehen hat die CDU in Harburg auch keine andere Machtperspektive.

SPD-Kreisvorsitzender Frank Richter will das laufende Bewerbungsverfahren „selbstverständlich“ nicht kommentieren. Es ist allerdings kein Geheimnis, dass seine Genossen keine Fans der GroKo sind. Fischers Kröten, die sie immer wieder schlucken müssen, liegen schwer im Magen. Ob es da – auch angesichts des bundespolitischen Spagats der SPD zwischen Verantwortung und Erneuerung – bei einer Restlaufzeit der Harburger GroKo von knapp einem Jahr das richtige Zeichen ist, sich mit der CDU unbedingt auf einen Kandidaten oder eine Kandidatin zu einigen? Hat man sich auch bei der SPD etwa schon auf weitere fünf Jahre GroKo eingestellt? Dazu lässt sich SPD-Chef Richter denn doch ein paar Worte entlocken. „Wir haben mit der CDU einen Koalitionsvertrag für die Legislaturperiode bis 2019 geschlossen und wir sind mit der Abarbeitung des Vertrages, dessen weit überwiegende Inhalte aus dem SPD-Programm kamen, sehr weit gekommen“, sagt Richter. Mit der Umsetzung der Vereinbarungen habe die Entwicklung Harburgs in den vergangenen vier Jahren sehr viele positive Impulse wie beim Wohnungsbau, bei der Weiterentwicklung der TUHH oder der Ansiedlung von technologieorientierten Unternehmen und Einrichtungen erhalten.

Richter: „Dennoch werden Koalitionsverträge nur auf Zeit geschlossen und eine große Koalition sollte in einer Demokratie immer die Ausnahme bleiben.“ Deshalb werde die SPD im kommenden Jahr für eine eigene Mehrheit bei der Bezirksversammlungswahl kämpfen, mit ihrer Bilanz der dann letzten acht Jahre gebe es gute Argumente dafür. Wenn das nicht klappe, werde man mit möglichen Partnern verhandeln. ag