Harburg – Nach einer Schweigeminute für die getötete Zweijährige aus Neuwiedenthal war es für die Bezirksabgeordneten nicht leicht, zur Tagesordnung ihrer Oktober-Sitzung

im Harburger Rathaus überzugehen. André Lenthe, Fraktionsvize der Linken, fand aber den richtigen Ton, als er in der Aktuellen Stunde in angenehm sachlicher Weise auf ein Stück Daseinsvorsorge aufmerksam machte – den Schwimmunterricht in den Schulen. Da gebe es im Bezirk riesige Defizite, das MidSommerland sei zwar als Spaß- und Freizeitbad durchaus beliebt, um Kindern dort das Schwimmen beizubringen sei es denkbar ungeeignet. Deshalb unterstütze die Linke auch das Bürgerbegehren „Yes, we swim“.

Lenthe: „Das Bürgerbegehren hat einen breite gesellschaftliche Debatte ausgelöst.“ Harburg brauche eine Schwimmhalle, die ihren Namen auch verdiene – also eine mit 25-Meter-Bahnen, Startblöcken und mindestens zwei Metern Tiefe. Volle Unterstützung bekam er von Ex-Schulleiter Jürgen Marek , Fraktionsvize der Grünen: „Die Älteren werden sich noch erinnern: In Harburg gab es zwei Schwimmbecken mit 50-Meter-Bahnen und Sprungturm. Das ist lange vorbei.“ Auch die Bereitschaft der Eltern, ihren Kindern das Schwimmen beizubringen sei gesunken. Deshalb müssten die Rahmenbedingungen für professionellen Schwimmunterricht verbessert werden. Marek: „Das kostet Geld. Und Pädagogik wirft nun einmal nicht kurzfristig Rendite ab.“

Wesentlicher zurückhaltender äußerte sich SPD-Fraktionsvize Claudia Loss: „Seit wir in Hamburg wieder die Regierung stellen, haben wir viel für die Verbesserung des Schwimmunterrichts getan.“ Es gebe aber kein Grundrecht auf eine „fußläufige Schwimmhalle“. Das alles war wenig überraschend, da die Bezirksabgeordnete Claudia Loss gerne als Interessenvertreterin des Senats argumentiert. Kein Wunder, dass auch ein Bäderland-Sprecher keinen Bedarf für einen Schwimmhalle sieht.

Ganz anders – neben der Linken und den Grünen – auch CDU, FDP und Neue Liberale. Sie alle unterstützen das Bürgerbegehren, machen damit aber auch das Dilemma dieser Initiative deutlich. Carsten Schuster von der FDP formulierte es so: „Werden ausreichend Unterschriften gesammelt, würde die Bezirksversammlung dem Begehren zustimmen, und danach würde der Senat die Umsetzung ablehnen.“ Das dürfe er, denn ein Bürgerbegehren habe die gleiche Wirkung wie ein Beschluss der Bezirksversammlung. Wie beim Beachclub könne es der Senat einkassieren. ag