Harburg – Das Bezirksamt ist auf einen Etikettenschwindel hereingefallen und hat etwas erlaubt, was es gar nicht erlauben wollte. Für den 29. Juli hatte ein

Veranstalter ein Konzert mit „italienischer Musik“ auf der Freilichtbühne im Harburger Stadtpark angemeldet. Das klang auf dem Papier unverdächtig, in Wirklichkeit ging dann aber eine Party mit italienischer Techno-Musik über die Bühne – zum Ärger der Anwohner, die sich seit Jahren über ihrer Meinung unzumutbaren Lärm aus dem Stadtpark beschweren.

Die Bezirkspolitiker hatten die Beschwerden der Anwohner ernst genommen und Regeln für die Genehmigung von Konzerten beschlossen – darunter unter anderem: keine elektrisch verstärkte Musik an zwei aufeinanderfolgenden Tagen, kein Konzert länger als fünf Stunden und Techno nur einmal im Monat. Mit diesen Regeln war unter anderem die legendären „Keine Knete – trotzdem Fete“-Festivals aus dem Stadtpark vertrieben worden.

Die Anwohner glaubten jedenfalls ihren Ohren nicht zu trauen, als es nur eine Woche nach der Italo-Techno-Party wieder aus dem Stadtpark dröhnte und hämmerte. „Bei uns am Haus habe ich 70 Dezibel gemessen“, behauptet ein Anwohner jetzt in der Bürgerfragestunde der Bezirksversammlung. Das sei der höchst zulässige Lärmpegel für Industriegebiete. Er habe sich allerdings auch gefragt, wieso nun plötzlich zwei Techno-Parties hintereinander erlaubt worden sind. Habe die Politik etwa still und heimlich die Regeln geändert?

Einmal in Fahrt ließ er dann allerdings auch noch durchblicken, was er grundsätzlich von Techno-Mucke hält: „Man müsste sich wirklich überlegen, ob man Techno nicht vom Gesamtbegriff Kultur ablösen sollte.“

Jörg Penner, Dezernent für Bauen, Wirtschaft und Umwelt, musste zugeben, dass die Sache nicht optimal gelaufen sei. Er bestritt aber, dass es irgendwelche Änderungen der Regeln gebe. Penner: „Uns sind zwei Fehler unterlaufen: Einmal haben wir in der Genehmigung die Beschränkung auf fünf Stunden schlicht vergessen. Und im anderen Fall sind wir vom Begriff ‚italienische Musik’ getäuscht worden.“ Seine Leute hätten durchaus recherchiert, aber keinerlei Hinweis auf Techno gefunden.

In einer der nächsten Sitzungen des Kulturausschusses soll es nun noch einmal einen ausführlichen Bericht über die Erfahrungen mit der Freilichtbühne geben. Das auch deshalb, weil seit zwei Jahren die Hamburg Kreativ Gesellschaft dafür sorgen soll, dass das Freizeit-Kleinod im Harburger Stadtpark besser genutzt wird. ag

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