Harburg. Seit sechs Jahren plant das Bezirksamt den Bau einer Fahrradstation am Harburger Bahnhof – damit noch mehr Pendler aufs

Auto verzichten und vom Fahrrad direkt in die Bahn steigen. Bisher ist aber nichts zu sehen. Kurios: Auf Anfrage der Harburger CDU-Bürgerschaftsabgeordneten Birgit Stöver hat der Senat vor wenigen Tage mitgeteilt: „Derzeit sind keine Hindernisse erkennbar, die die geplante Realisierung der Fahrradstation am Harburger Bahnhof verzögern.“

Frage an das Bezirksamt: Was ist da los? Warum passiert nichts? Antwort: Das Thema sei am 17. November im Ausschuss für Inneres, Bürgerservice und Verkehr behandelt worden. Aus Sicht der Ausschussmitglieder kann es „nur schwer vollkommen unabhängig“ vom Umbau des benachbarten Busbahnhofs betrachtet werden. Alle Fraktionen hätten daher Beratungsbedarf angemeldet. Das Bezirksamt werde sich dafür einsetzen, das Thema zu Jahresbeginn erneut auf die Tagesordnung zu setzen.

Da bleiben Fragen offen. Zum Beispiel: Wieso wusste der Senat vor wenigen Tagen nicht, dass der Busbahnhof umgebaut werden soll und dass von diesem Umbau angeblich auch der Bau der Fahrradstation abhängt?

Vor allen aber: Was ist in den vergangenen sechs Jahren passiert? Immerhin hatte sich schon der SPD-Alleinsenat die Förderung des Fahrradverkehrs auf die Fahnen geschrieben. Seit der rot-grüne Senat daraus sogar ein Schwerpunktthema („Fahrradstadt Hamburg“) gemacht, sollte es doch flutschen.

So eine Fahrradstation gibt es bisher nur am Bergedorfer Bahnhof (Start: 2012). Nach Auskunft des Senats handelt es sich dabei um „ein Fahrradparkhaus mit angeschlossenen Serviceeinrichtungen wie einer Reparaturwerkstatt und einem Shop für Fahrräder, Ersatzteile und Zubehör sowie einem Fahrradverleih“.

Schon 2010 hatte eine Machbarkeitsstudie empfohlen, die Station auf dem nördlichen Fernbahnsteig mit Zugang von der Südseite der Walter-Dudek-Brücke einzurichten. Das Problem: Das Gelände ist im Besitz der Bahn AG. 2014 hatte der Senat dann mitgeteilt, dass es inzwischen Gespräche mit der Bahn AG gebe. Ergebnisse wurden zunächst nicht bekannt. Jetzt teilt der Senat mit: „Die Bahn will das Gelände selbst nutzen.“

Inzwischen seien weitere Standorte geprüft worden: Neuländer Platz, P+R-Parkhaus, „Kieser“-Gebäude, alte Gepäckbrücke, DB-Gebäude, altes Stellwerkgebäude, Flächen neben dem Stellwerkgebäude, Tiefgaragenrampe, unter der ZOB-Busplatte, am/auf dem ZOB, S-Bahn-Tunnel, Grünfläche Seevekanal und Verkehrsdreieck Hannoversche Brücke/Walter-Dudek-Brücke.

Und nun? Der Senat sieht keine Hindernisse mehr. Die Bezirkspolitiker haben „Beratungsbedarf“. Und das Bezirksamt? Siehe oben: Es verweist auf die Politiker. Es lebe die Fahrradstadt Hamburg! ag