Harburg – Schwere Schlappe für Herlind Gundelach, Bundestagsabgeordnete der CDU aus dem Bereich Harburg Sie ist für die kommende

Bundestagswahl lediglich für Platz fünf vorgeschlagen worden. Damit rutschte sie vom sicheren Listenplatz drei auf die Position eines Wackelkandidaten. Entschieden wurde das am Wochenende vom 17er-Ausschuss der CDU, dem zwei Frauen angehören.

Unions-Frauen sind empört. „Sie hätte mindestens auf Platz drei gehört“, sagt Birgit Stöver, Bürgerschaftsabgeordnete der CDU. Sie sei zwar kein Freund der Frauenquote, aber sie hätte den sicheren Listenplatz als wichtiges Signal in Sachen Frauenbeteiligung gesehen. „Da geben wir so kein gutes Bild ab“, meint Stöver. Zudem mache Gundelach in Berlin gute Arbeit in den Ausschüssen. Das Gundelach jetzt für den deutlich weniger aussichtsreichen Platz vorgeschlagen wurde, sieht sie als Ergebnis von Machtspielen.

Die CDU, die keine wirkliche Chance auf Direktmandate in Hamburg hat, vergibt die ersten sechs Listenplätze an die Direktkandidaten aus den sechs Wahlreisen. Auf Platz 1 ist Marcus Weinberg Wahlkreis Altona) und auf Platz 2 Rüdiger Kruse (Wahlkreis Eimsbüttel). Es folgen Christoph de Vries und Christoph Ploß. Hinter Gundelach für die völlig aussichtslosen Platz 6 ist Eckehard H. Grage vorgeschlagen von dem im Gegensatz zu Harburg eigentlich sehr mächtigen Kreisverband Wandsbek.

Ralf-Dieter Fischer, Kreisvorsitzender in Harburg, hat eine einfache Erklärung für die Nominierung von de Vries  und Ploß vor Gundelach. „Sie sind einfach besser“, sagt Fischer. Das habe sich auch in dem Ergebnis widergespiegelt, das „einstimmig“ gefallen sei. Dabei habe man es sich nicht leicht gemacht. Allein die Diskussion um Gundelach und Frauen in Spitzenpositionen habe zweieinhalb Stunden in Anspruch genommen.
Tatsächlich gehört die ehemalige Senatorin Herlind Gundelach zu den stillen Vertretern der Politik. Sie zeigt sich bei Veranstaltungen, ist aber selten Mittelpunkt oder tonangebend. Dass sie im Fachausschuss für „Energie und Wirtschaft“ viele Reden halten soll, bleibt der Öffentlichkeit verborgen. Ihre Präsenz mit Fachthemen wirkt unterdurchschnittlich.

„Vielleicht hat sie ja gehofft allein durch das Merkmal Frau ein attraktives politisches Amt bekleiden zu können“, unkt ein CDU-Mitglied. Tatsächlich hat die CDU entgegen der SPD oder der Grünen keine verbindliche Frauenquote, die eine Besetzung von wichtigen Posten geschlechtsabhängig macht. Bei der Union gibt es lediglich eine Empfehlung, durch die das Bild nach Außen gewahrt werden soll.

Für Birgit Stöver ist die Empfehlung noch kein Fakt. „Entschieden wird am 8. Dezember auf der Landesvorstandversammlung“, so Stöver. Dort kommen die Delegierten der Ortsverbände zusammen, um die Empfehlung des 17er-Rates abzusegnen oder eben auch nicht. „Ich bin gespannt ob die Vorschläge den Termin überleben“, sagt Stöver. Viele in der Union hätten zu den Vorschlägen vom Wochenende „mit dem Kopf geschüttelt“. zv