Harburg – Seit Jahren klagen Anwohner der Engelbek über nasse Gärten und feuchte Keller, seit Monaten haben sie die Politik

eingeschaltet und haben auch schon die Ursache für ihren Ärger ausgemacht: die Renaturierung des kleinen Flüsschens, das aus einem 35 Quadratkilometer Gebiet im Süden Hamburgs das Wasser sammelt und schließlich nach 6,5 Kilometern in die Außenmühle mündet. Dadurch sei das Wasser gestiegen und ist immer häufiger da, wo es nicht sein soll.

Noch im Frühjahr hatten sie kritische Fragen an das Bezirksamt gestellt, jetzt in der ersten Sitzung des Regionalausschusses Harburg sollten sie endlich Antworten bekommen. Die CDU-Fraktion in der Bezirksversammlung hatte die Sorgen der Anwohner ernst genommen und zusätzlich Anträge geschrieben. Von den Formulierungen in den Anträge hatten sich die Anwohner nicht abschrecken. Da hieß es zum Beispiel: Es möge dargestellt werden, „welche Handlungsoptionen für Gewässer wie der Engelbek entwickelt wurden, um im Rahmen des Integrierten Regenwassermanagements (IRWM) die RISA-Zielvorgaben ,Naturnaher lokaler Wasserhaushalt sowie Gewässer- und Überflutungsschutz’ mit den Anliegerinteressen zum Ausgleich bringen zu könne“.

Keine Abschreckung also, die Anwohner waren zahlreich in den Regionalausschuss gekommen. Nach einigen Ausführungen des Chefs der Abteilung Wasserwirtschaft in der Behörde für Umwelt und Energie Wolfgang Meier über das RISA-Programm, in dem zukunftsfähige Konzepte für den Umgang mit der zunehmenden Flächenversiegelung und den Folgen des Klimawandels entwickelt werden, ging es zur Sache: Jens Brehm, in der Abteilung Management des öffentlichen Raums im Bezirksamt zuständig für die Engelbek, sollte endlich die Fragen der Anwohner beantworten, dazu am besten gleich die Antworten auf eine Kleine Anfrage der Neuen Liberalen.

Es wurde ein weiteres Lehrstück darüber, wie die Kommunikation zwischen Bürgern, Politik und Verwaltung nicht funktionieren sollte. Jens Brehm teilte den Anwohnern nämlich mit, er habe ihre Fragen nie erhalten. Da ist Monate über diese Fragen geredet worden, und dann sind sie irgendwo verschwunden und ins Leere gelaufen. Und auch die Antworten auf die Fragen der Neuen Liberalen waren nicht greifbar. Brehm hatte sie zwar beantwortet, sie waren aber von höherer Stelle im Bezirksamt noch nicht freigegeben worden – obwohl doch im Bezirksamt eigentlich jeder den Termin vom Regionalausschuss und auch dessen Tagesordnung kennen sollte.

Aus dem Stegreif beantwortete Brehm dann doch viele Fragen, vor allem aber räumte er mit einigen Fehlinformationen auf – so sei das Regenrückhaltebecken am Sinstorfer Kirchweg nicht in Folge „der Untätigkeit der Stadt“ verschlammt und könne nicht mehr so viel Wasser aufnehmen, viel mehr sei dort bewusst ein Biotop angelegt worden. Außerdem sei der Wasserspiegel um 15 Zentimeter gesenkt worden, was die Kapazität des Beckens erhöht habe. Es gebe auch keinen Hinweis darauf, dass die Renaturierungsmaßnahmen an der Engelbek irgendetwas mit den Vernässungen zu tun habe.

Das klang alles ganz vernünftig, ob es alle Anwohner überzeugt hat, wird sich bei einem gemeinsamen Ortstermin Ende des Monats erweisen.

Zwei Anmerkungen noch: Ob sich individuelle Anwohnerinteressen und Renaturierungsmaßnahmen miteinander vereinbaren lassen, ist eine der wichtigsten ökologischen Zukunftsfragen. Erstaunlich, dass ausgerechnet die Grünen in diesem Fall auffallend wenig aktiv sind. Und: Ob Peter Lorkowski von der AfD bei den Ausführungen von Wolfgang Meier gestaunt hat, wie selbstverständlich dessen Behörde von einem Klimawandel ausgeht und schon Konzepte für den Umgang damit entwickelt? Immerhin bestreiten führende Parteigänger Lorkowskis in Interviews immer wieder, dass es überhaupt einen Klimawandel gibt. ag