HarburgLuftbild3Harburg –  Die Idee war gut: Die SPD-Bezirksfraktion wollte von der Hamburg Tourismus GmbH wissen: Was macht ihr eigentlich für Harburg? Immerhin müsse der Bezirk ja auch jährlich

einen gewissen Betrag an die GmbH überweisen. Was springt dabei also für Harburg raus?

Leider hatte die SPD bei ihrem Antrag einen entscheidenden Fehler gemacht: Weder Harburg noch irgendein anderer  Hamburger  Bezirk zahlt auch nur einen Cent an die Tourismus-Zentrale. Trotzdem hatte sich Sascha Albertzen, Kommunikationschef der GmbH, auf die Reise nach Harburg gemacht, um dem Ausschuss für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus zu berichten, welche Strategie es für Harburg gebe. Antwort: „Keine!“ Es besteht aber Hoffnung: „Wir fangen gerade an, unser Konzept auszuweiten.“

Mehr war eigentlich auch nicht zu erwarten. Hafen, Reeperbahn, Musicals, Einkaufen an der Binnenalster, Miniaturwunderland – das sind die Ziele, die Touristen nach Hamburg locken. Auf den Stadtplänen, die an Hamburgs Gäste verteilt werden, findet Harburg nicht statt. Unter der Elbe gibt es nichts.

Oder doch? Die SPD-Bezirksabgeordnete Ronja Schmager behauptet in dem Antrag: Harburg hat ein vielfältiges Angebot an Kultur, Natur und Gastronomie.“ Kann man aber wirklich Touristen mit dem Rieckhof oder der KulturWerkstatt über die Elbe locken? Gut, die Sammlung Falckenberg ist ein Highlight. „Sie macht es uns mit ihren eingeschränkten Öffnungszeiten allerdings schwer, sie anzupreisen“, sagt Albertzen. Seit einem Jahr ist der Speicher am Kaufhauskanal „am Markt“. Das könnte ein Ansatzpunkt sei, zumal er mit Henry C. Brinker einen beeindruckend professionellen Geschäftsführer vorzuweisen hat.

Albertzens Rat an die Harburger: „Sie müssen die Potenziale der Region erkennen und entwickeln.“ Dann könne man auch über Tourismus-Strategien nachdenken. Durchaus Erfolg versprechend seien auch Nischen wie Wohnmobil-Tourismus und barrierefreie Attraktionen.

Tatsächlich regt sich da was, bisher allerdings nur als zarte Pflänzchen: Die CDU hat gerade die Verwaltung aufgefordert, nach geeigneten Plätzen für Wohnmobile Ausschau zu halten. Und ein Investor möchte in Harburg einen Kletterpark einrichten, in dem auch Menschen mit körperlichem Handicap ihren Spaß haben können und der einzigartig in Deutschland wäre. Leider zeigt die Politik – trotz eines Ortstermins vor knapp einem Jahr – bisher wenig Interesse.

Harburgs Citymanagerin Gitte Lansmann hörte aufmerksam zu. Als frühere Leiterin der Tourismus-Zentrale in Hannover hat sie einschlägige Erfahrungen. Was sie über die Situation in Harburg sagte, wird einige verblüffen: „Wir haben hier eine Riesennachfrage nach Hotelbetten, leider können wir die nicht bedienen. Es gibt einfach keine Investoren, die für ein Hotel in Harburg Geld in die Hand nehmen wollen.“ Das sei kurios, denn das neue B+B-Hotel sei seit seiner Eröffnung fast immer ausgebucht. Das gelte auch für die Hotels im Umland. ag