150930WieseNeugraben - Nun also die Hundewiese am südlichen Ende des Falkenbergsweg! Es dauerte nur wenige Stunden, dann war die Kunde von der nächsten

„Folgeeinrichtung“ für Geflüchtete in Neugraben rum. Inzwischen haben sich mehrere Bürgerinitiativen gegründet, zum Teil sind die Aktivisten auch schon wieder untereinander zerstritten.

Während sich die Mitglieder der Facebook-Gruppe „500 auf der Wiese?“ zunächst am Donnerstag treffen wollen, um eine Strategien zu beraten, hat Mario Bugenhagen, Administrator der Facebook-Gruppe „Demo gegen die Flüchtlingsmasse in Neugraben“, nach eigenen Angaben schon für den 10. Oktober eine Demonstration angemeldet. Dabei betonte er in einem Posting (unveränderte Wiedergabe): „Ich möchte bitte noch mal drauf hinweisen das ich hier keine rasitischen Äußerung haben möchte.“

Dann tauchte das Gerücht auf, Bugenhagen sei nur ein Strohmann der rechten Szene. Für viele unvorstellbar, denn Bugenhagen hatte vor einiger Zeit auch eine Demo für den Erhalt des Freibads Neugraben organisiert. Wenig später dies:  Der  Landesverband Hamburg der rechtsradikalen NPD rief ebenfalls zu dieser Demo auf. Eine Reihe von Unterstützern wendete sich darauf von Bugenhagen ab.

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Manchmal grasen auf der Hundewiese auch Heidschnucken. Foto: mag

Als einer der ersten Politiker hat der Bezirksabgeordnete Robert Klein von den Grünen auf den NPD-Aufruf reagiert. Er postete dies: „Jedenfalls scheint die breite Hilfsbereitschaft und Empathie der breiten Bevölkerung gegenüber den Kriegsvertriebenen bei den Rechtsextremen langsam schmerzliche Zweifel am Glauben der breiten Volksfront ihrer kruden Ideologie zu kommen.“

Unterdessen bemüht sich Andreas Bündert von „500 auf der Wiese?“ um eine sachliche Diskussion. Er stellt klar: „Diese Initiative ist nicht gegen Flüchtlinge, ist nicht rechts oder gar rechtsradikal, sondern setzt sich nur für den Erhalt der intakten Waldfrieden-Siedlung ein. So eine Initiative wäre auch gegründet worden, wenn auf der Wiese eine vergleichbare Wohnsiedlung oder ein Supermarkt geplant werden würde.“ Bei einem Flüchtlingsdorf mit geplanten 500 Bewohnern würde der über Jahrzehnte gewachsene Charakter der Waldfriedensiedlung verloren gehen. Eines der letzten wirklich schönen Flecken in Neugraben, umgeben vom Naturschutzgebiet, würde verschwinden.

Am Rand der Hundewiese hatten sich am Montag mehrere Hundebesitzer zu ihrem täglichen Nachmittagspaziergang getroffen. Auch sie kannten nur ein Thema: Flüchtlinge auf der Hundewiese. Sie wollen, dass alles so bleibt wie es ist. Ein bisschen mulmig ist ihnen schon zumute, sie haben keine Vorstellung davon, was wirklich auf sie zukommt. Eine Frau sagt: „Na ja, ein bisschen Angst habe ich tatsächlich. Vor allem, seit der Feuermelder an der Buskehre abgebaut worden ist. Da konnte man schnell um Hilfe rufen.“ Ihr Begleiter will am nächsten Tag gleich „ins Ortsamt, um den Kaiser von Neugraben um Rat zu fragen“. Der Kaiser von Neugraben? „Na, der Fischer!“

CDU-Kreischef Ralf-Dieter Fischer hat massiven Widerstand angekündigt. Ab 2002, als in Hamburg die CDU am Ruder war, hatte er dafür gesorgt, dass im Bereich Süderelbe alle Flüchtlingsunterkünfte wieder abgebaut und die Flächen für andere Nutzungen vergeben worden sind. Und anschließend hatte er neue Unterkünfte zunächst erfolgreich verhindert, so blieb der Bereich Süderelbe - im Gegensatz zum Zentrum von Harburg - lange Zeit ein weißer Fleck. Dafür kommt es jetzt umso dicker.

Nach der geplanten Großunterkunft für 3000 Geflüchtete direkt neben der Zentralen Erstaufnahme im ehemaligen OBI-Markt mit noch einmal rund 750 Geflüchteten soll aber Schluss sein. Das hatte die Große Harburger Koalition gerade erst in der vergangenen Woche beschlossen - oder besser: auf ihren Wunschzettel geschrieben. Fischer zur BILD-Zeitung: „Das ist bindend, auch für die SPD und den Senat.“ Ob er bei Zuwiderhandlungen die GroKo platzen lässt?   (ag)