110114SeelerMarmstorf – Eigentlich ist es Tradition, dass ein Politiker zur Teichwette nach Marmstorf kommt. Carsten Lüdemann war in seiner Zeit als Justizsenator bereits da. Unvergessen auch der Auftritt vom jetzigen Bürgermeister Christoph Ahlhaus im Matrosenanzug und Friesennerz 2009.
Letztes Jahr war es der Bundestagsabgeordnete Hans-Ulrich Klose, der sich trockenen Fußes in der Mitte des Dorfteichs mit dem Schützenkönig traf. Dieses Jahr wird es „Uns Uwe“ sein, der kommt. „Wir haben Wahlkampf“, sagt Rainer Bliefernicht, der die Wette, die traditionell am letzten Sonntag im Januar stattfindet, mit organisiert. "Es wäre nicht fair." Deshalb habe man sich dafür entschieden keinen Politiker zu nehmen. Das dürfte die erwarteten weit über 1000 Zuschauer kaum stören.

Hamburgs Ehrenbürger Uwe Seeler ist auch fast 39 Jahre nach seinem Rückzug aus dem aktiven Sport noch immer ein echtes Idol. Wie beliebt er ist, zeigt sich auch an seinen vielen Titeln. Die Polizei machte ihn zum Ehrenkommissar. Hamburg verlieh ihm den Titel Ehren-Schleusenwärter. Auf der Rickmer Rickmers ist er der Ehrenkapitän. Die Wiener verliehen ihm den Goldenen Rathausmann. In Deutschland bekam er das Bundesverdienstkreuz.

Das er zur Teichwette zusagte, war nicht selbstverständlich. Seeler leidet noch immer an den Folgen des Unfalls, bei dem er letzten Juli kurz vor dem Elbtunnel in Waltershof verletzt wurde. Vor einer Woche war er im UKE operiert worden, weil abgesplitterte Knochenteile der Wirbelsäule entfernt werden mussten. Außerdem ist er auf dem rechten Ohr taub. Damals war ein besoffener und zugekokster Deutschrusse (22) mit einem Wahnsinnstempo auf den Mercedes aufgefahren, in dem Seeler als Beifahrer gesessen hatte. Heute war deshalb verhandlung: Bemerkenswert: Der angeklagte Unfallfahrer Eugen G. erschien zu spät. Unmittelbar vor der Verhandlung hatte seine Freundin bei Gericht angerufen gefragt, ob es schlimm sei, wenn Euigen etwas später kommt. Er habe verschlafen. Der Richter musste den Mann mit einer Polizeistreife abholen lassen. Trotzdem blieb er milde. Zehn Monate Haft auf Bewährung bekam der arbeitslose Deutschrusse, der zudem keinen Führerschein besaß und den Wagen seinem Vater die Schlüssel für das Auto geklaut hatte, um mit Kumpels Richtung Kiez zu rasen. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Strafe ohne Bewährung gefordert.

Zurrück zur Teichwette. Dafür wird bereits mächtig gezimmert. Auf dem Hof von Bliefernicht entstehen die Pontons, welche bei der Wette zum Einsatz kommen. Denn zugefroren war der Teich in den elf Jahren der Teichwette eigentlich nur 2006 und im vergangenen Jahr.


Am 30. Januar wird es um 11 Uhr losgehen. Die Veranstaltung ist bekannt für Wurst, Bier und jede Menge gute Laune. Der Erlös ist, wie immer, für einen guten Zweck. zv