140917AusstellungHarburg – Wie „ein alter, müder Drache“ lägen die Phoenix-Fabrikhallen mitten  in Harburg, schreibt Kunstkritiker Rainer Allgaier im Online-Dialogportal gallerytalk.net.

Tatsächlich, Harburgs Industrie-Vergangenheit ist im Vorruhestand, und wenn sich nicht gerade die Sammlung Falckenberg angemeldeten Gästen präsentiert, müsste man gelegentlich den Puls fühlen. Ob da neben Parkhaus-Zufahrten, qualmenden Versorgungsleitungen und Haufen von Euro-Paletten überhaupt noch Leben ist.

Und plötzlich, ein ganzes Wochenende lang, brodelt es, Kinder lärmen zwischen den Hallen herum, Männer und Frauen, fast alle in Künstler-Schwarz, sitzen auf Mauern und rauchen und simsen, ein junger Kerl bewacht den Toilettenwagen, bittet um Tipp, aus seiner Soundstation ertönt „Papa was a Rolling Stone“ von den Temptations. Oben im Fünften betraten am Wochenende rund 4000 Kunstfreunde, Galleristen und Sammler schnappatmend P/ART, eine Kunstmesse für unabhängige Künstler und Künstlerinnen und eine Plattform für die Verschmelzung von Kunsthandel und Kunstdiskurs“. So definiert es das P/ART-Kollektiv, das seine theoretischen und praktischen Erfahrungen im künstlerischen Feld „nun mit Herzblut“ in die Verwirklichung einer neuen Form von Kunstmesse steckt.

Tatsächlich, das ist gelungen. Ob jede Künstlerin und jeder Künstler die Phoenix-Hallen glücklich verlassen hat, ist nicht bekannt und auch nicht wichtig. Gleichwohl war P/ART ein Erlebnis. Der Museumspädagogin Bettina Evert aus Altona, die „mit moderner Kunst nicht viel anfangen kann“, hatte es das alte Gemäuer angetan. Sie hat das Fotografieren für sich entdeckt und streifte auf Motivsuche durch die Hallen. Geradezu familiär ging es in der großen Halle mit Sitzecke, Kinderklettern und Flammkuchen zu. Ein Kunsterlebnis. Vor allem aber: Leben in der Phoenix. Mal sehen, was da noch kommt. ag

Veröffentlicht 17. September 2014