140915Drehscheibe2Harburg –  Dreiste Metalldiebe machen vor nichts mehr halt. Jetzt haben sie versucht, die historische Handdrehscheibe am Rand des Schellerdamms zu zerlegen und bei einem

Schrotthändler zu versilbern. Doch sie wurden gestört, ein aufmerksamer Harburger erstattete Anzeige. Inzwischen haben Beamte der Wache am Harburger Hauptdeich (WSPK3) einen Schneidbrenner und anderes Werkzeug am Tatort beschlagnahmt. Die Täter konnten bisher aber nicht ermittelt werden.

Man muss sich im Harburger Binnenhafen schon gut auskennen, um die Drehscheibe zu finden. Bis vor gut 50 Jahren war sie noch Teil des großen Harburger Güterbahnhofs zwischen Schellerdamm und Östlichem Bahnhofskanal. Auf jeden Fall ist sie auf einem Gleisplan aus den späten 60er-Jahren noch verzeichnet. Sie diente dazu, einzelne Waggons auf Abstellgleise zu verteilen, für die aus Platzgründen und wohl auch wegen eines Mindestradius für die Gleise keine Weichen angelegt werden konnten.

Vom Güterbahnhof ist kaum noch etwas zu erkennen, zwei alte Schuppen, ein paar Gleisreste und die Drehscheibe, überwuchert von Kraut, versteckt hinter ein paar Büschen. Doch Gorch von Blomberg und seine Mitstreiter von der KulturWerkstatt hatte längst ein Auge auf das Zeugnis aus großen Harburger Eisenbahnzeiten geworfen. Zuletzt hatte er in der Begleitgruppe zur Entwicklung des Binnenhafens gefragt, was aus der Drehscheibe wird. Und Baudezernent Jörg Penner hatte versprochen: „Die Drehscheibe bleibt erhalten, sie wird Teil einer kleinen Grünanlage.“

Dann entdeckte der Harburger Werner Gottwald das Werkzeug und die tiefen Schnitt auf einer Abdeckplatte der Drehscheibe. Eine andere Platte war schon demontiert, lag daneben im Gras. Auch am Gleis selbst hatten sich die Übeltäter versucht. Als Gottwald wenig später noch einmal vorbeikam, war eine Platte schon verschwunden. Jetzt reichte es ihm, er alarmierte die Polizei. Anwohner berichteten ihm, dass sie Männer dort schon länger tätig waren. Ein Mitarbeiter einer Anwaltskanzlei in einem der alten Schuppen am Schellerdamm sagt gegenüber harburg-aktuell.de: „Wenn das Fenster offen war, habe ich immer diese hellen Kreischton gehört. Jetzt weiß ich, was das war.“

Die Diebe sind gerade noch rechtzeitig aufgehalten worden. Die Drehscheibe ist immer noch erhaltenswert. ag