140225ToroHarburg – Es ist noch gar nicht so lange her, da redeten alle vom Schmuddeltunnel. Manche  stilisierten die Schnittstelle zwischen Fußgängerzone und Seevepassage gar zur

No-go-Area. Heute glänzt der gute alte Gloria-Tunnel – dank eines einzigartigen und attraktiven Lichtkonzepts des Harburger Unternehmens Optonaval und dank des mutigen Künstlers Mentor Ejupi, allen bekannt als „Toro“, der mit Kaffee, Konzerten und Kunstaktionen kalten Kacheln Kreativität einhaucht.

Nun regt Toro zwar die Sinne an, Geld verdienen kann man damit erfahrungsgemäß kaum. Deshalb braucht er nicht nur lobende Worte, anerkennendes Schulterklopfen und Gespräche mit Freunden, er muss auch aus den roten Zahlen kommen. Da es hier nicht nur um Kunst oder auskömmliche Einnahmen eines Künstlers, sondern vor allem um ein unbestrittenes Ziel der Harburger Stadtentwicklung geht, lag es nahe, dass sich Toro um öffentliches Geld bemühte. Bezirksamtsleiter Thomas Völsch: „Das ist auch nach Rücksprache mit der Kulturbehörde weder ungewöhnlich noch unzulässig.“ Mehr noch: Die Sondernutzungsvereinbarung für das Stück Tunnel fordert den Künstler dazu geradezu auf.

Wie auch immer sie zustande gekommen sind: Die Anträge auf Sondermittel der Bezirksversammlung, die Toro letztlich unterzeichnete, sind in ihrem Ansinnen sicher Konsens, dennoch sollten sie stichhaltig und formal korrekt sein. Und genau  damit hatten CDU und Grüne Probleme.

Zum einen rief Toro 20.000 Euro für fünf Ausstellungen und jeweils fünf Veranstaltungen der Reihen „Klassik im Tunnel“ und „Kunst entsteht im Dialog“ auf, ohne irgendwelche Einzelheiten zu nennen. Außerdem wollte er 28.000 Euro für ein von ihm geschaffenes Kunstwerk „Marsch der Egoisten“ samt Honorar, Material, Transport und Installation haben.

CDU-Fraktionschef Ralf-Dieter Fischer, ein ausgewiesener Freund der Künste, tut sich spürbar schwer, Toro am Zeug zu flicken: „Wir haben nichts gegen den Künstler und wir haben auch nichts gegen die Aufwertung des Tunnels.“ Trotzdem müssten die Anträge gewisse Anforderungen erfüllen. So würden zum Beispiel 12.800 Euro für Granitplatten, und 9000 Euro für den Transport und Installation veranschlagt. Fischer: „Wenn ein Sportverein eine neue Tischtennisplatte für ein paar hundert Euro haben will, muss er uns mehrere Angebote vorlegen. Wir sind verpflichtet, mit Steuermitteln sorgfältig umzugehen.“

Ähnlich äußert sich auch Heinke Ehlers, Fraktionsvize bei den Grünen und Haushaltsexpertin: „Wir sollen pauschal mal eben 20.000 Euro für eine Reihe von Veranstaltungen bewilligen, ohne irgendein Konzept zu kennen. Wir möchten da schon ein wenig mehr Einfluss haben.“

Fischer und Ehlers wollen eine öffentliche Diskussion über diese Anträge – und die bekommen sie nun, nämlich heute Abend in der Februar-Sitzung der Bezirksversammlung im Rathaus Harburg, Beginn 17.30 Uhr. ag