130907Kunst1+6Harburg – Wie bekommt man 600 Menschen dazu extra zu einer Veranstaltung nach Harburg zu kommen? Man stellt Scheiße aus. 21 Anthropometrische Module

aus menschlichen Fäkalien heißt das Kunstwerk von Santiago Sierra, dem 1966 in Madrid geborenen Konzeptkünstler, das jetzt in der Sammlung Falkenberg in den Phoenix-Hallen zu sehen ist.

Geformt wurden sie von indischen Latrinenreinigern einer indischen Social Service Organisation. Das war bereits 2007. Aber auch heute erinnert der Eigengeruch der Skulpturen an die Herkunft des Materials.

Das Konzept des Spaniers kann man in ein Wort fassen: Provokation.

 

Mal macht er gegen Entlohnung zwei Männer zu 130907Kunst5lebenden Stützen für einen Pappbalken (Foto). Auch diese Kunstperformance war bei der Vernissage zu sehen.

 

Dann verwandelte er eine ehemalige Synagoge in eine Gaskammer, durch die Besucher mit Gasmasken geführt wurden oder er tätowierte jungen Kubanern, die er dafür bezahlte, etwas willenlos einen Strich auf den Rücken.

Der Künstler selbst: Unscheinbar in dem kunstinteressiertem Publikum, aber mit den klassischen Attitüden. Das beinhaltet sowohl das dauerhafte Genukel an einer Bierflasche oder Zigarette oder das fotoscheue Auftreten.

Für die Kunstszene wird seine Arbeit so beschrieben: „Sierras Aktionen sind radikal und provokant und werden seit Jahren äußerst kontrovers diskutiert. Seine Arbeiten entwickeln sich aus der Auseinandersetzung mit Minimal Art und Konzeptkunst 130907Kunst2und thematisieren die strukturelle Gewalt politischer und wirtschaftlicher Systeme.“ Der Betrachter würden zum Zeugen und Komplizen der sozialen Wirklichkeit werden, in der politische Ausgrenzung, Billiglöhne, Sich-Prostituieren oder das Verdrängen der Vergangenheit an der Tagesordnung seien.

Zur Abrundung aus seinem Wiki-Eintrag: 2010 sollte Santiago Sierra den Spanischen Nationalpreis Premio Nacional de Artes Plásticas de España erhalten. Er lehnte den mit 30.000 Euro dotierten Preis jedoch ab, unter anderem mit den Worten „Dieser Preis instrumentalisiert das Prestige des Prämierten zugunsten des Staates.“ Einem anderen Künstler gegenüber äußerte er, dass er von seiner Arbeit lebe, und nicht davon, den Mächtigen die Eier zu lecken.

Weitere Werke, die in Harburg zu sehen sind: Eine Performance, bei denen Frauen mit Bauschaum bespritzt wurden und die dazugehörigen Überreste. 130907Kunst6Auf dem Boden verlegte Platten und Schläuche oder der überdimensionale Schriftzug "KlassenkampF"

 

Die Ausstellung in der Sammlung Falkenberg in Harburg ist bis zum 12. Januar zu sehen: sie gilt als bislang größter Überblick über das performative, skulpturale, fotografische und filmische Werk des Künstlers. zv


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