120831KunstCampMoorburg - Moorburg ist mehr als eine Deponie, auf der die Stadt Hamburg ihre ungelösten Probleme ablagern kann: Gestern Abend ist in den Räumen des Elbdeich e.V. ein Kunstcamp mit Workshops, Ausstellungen, Filmkunst, Konzerten und einer Party eröffnet worden. Noch bis Sonntag verwandelt sich die ehemalige Moorburger Grundschule in einen Kunst-Frei-Raum, bei dem jeder, der will, sich künstlerisch betätigen kann. Egal, was dabei herauskommt. Wer will, kann sich auch einfach nur umschauen.

„Wir möchten einen Freiraum bieten, um sich zu entfalten, künstlerisch auszudrücken und in Kontakt zu treten. Deshalb sind auch Kunstschaffende eingeladen, während der Kunstcamp-Zeit hier vor Ort an eigenen Werken zu arbeiten oder noch spontan Workshops, Kleinprojekte oder Aktion anzubieten“, sagt Claudia Kulenkampff, eine der Organisatoren des Kulturcamps.

In der offenen Siebdruckwerkstatt können Motive erarbeitet und Folien hergestellt werden, mit denen im Anschluss alles bedruckt werden kann, was im Weg liegt oder nach Verschönerung schreit. Das „Experiment Schrottplatz“ bietet die Möglichkeit, aus rostigem unbrauchbarem Altmetall neue Figuren, Skulpturen und Fantasiegebilde zu schweißen. Weitere Objekte und Formen, diesmal aus Ton und Beton, können in der Märchenkeramik-Werkstatt zum Leben erweckt werden. Beim „Elbdeich Gardening“ wartet eine triste Betonlandschaft auf eine grüne und blühende Verwandlung und ein Zwiegespräch mit Kunst und Kunstwerken. Daneben können Moorburger Samen zu Saatbomben verbaut und so „in die Welt“ hinausgetragen werden. In einem weiteren Workshop kann das Fotografieren erlernt und verfeinert sowie mit Licht und Effekten experimentiert werden. Motive bieten das Kunstcamp als auch das Dorf zwischen Idylle, Industrie und Hafen en masse.

Parallel und zugleich in Interaktion mit dem Kunstcamp fängt die Künstlergruppe „Inperspekt“ Bilder und Klänge ein und kreiert aus diesen eine räumlich-musikalische Videoinstallation, die ständig mit neuen Eindrücken und Impulsen gespeist wird. Eine Ausstellung mit den Werken Ulli Bomans (collagierte Fotodrucke auf Leinwand), Bente Wolke (Illustrationen), Claudia Kulenkampff (Exponate aus der Siebdruckwerkstatt), Susanne Klingenberg (Mischwesen in Kästen und Collagen), Petra Wlosik (Fotografie), Michael Zielinski (Bildhauer), Alexandra Wichmann (Abstrakte Sprühkunst) und Katrin Garbers (Märchenkeramik), ein Party- und ein Konzertabend sowie kulinarische Genüsse runden das Programm ab. Die Camp-Tage beginnen jeweils von 9 bis 11 Uhr mit einem gemeinsamen Frühstück im ehemaligen Lehrerzimmer. Danach steht die Kunst im Mittelpunkt.

Klar, dass auch über die aktuelle Situation diskutiert wird. In Moorburg sollen nicht nur drei ehemalige Sicherheitsverwahrte untergebracht werden. Umzingelt von Industrie und Autobahn, vom Containerterminal und der gigantischen Kohlekraftwerk-Baustelle droht dem kleinen Dorf nicht nur die Hafenquerspange, die dicht an Moorburg vorbeigeführt werden soll, sondern auch Europas größte Schlickdeponie mit Baggergut aus der Elbe.

Claudia Kulenkampff: „Das Dorf mit seinen Bewohnern und die umgebende Natur sind unglaublich starken Belastungen ausgesetzt. Dennoch hat Moorburg einen besonderen Zauber. Umso trauriger ist es, dass das Dorf in einem schleichenden Prozess schwindet und schrumpft.“ Ein wenig Unterstützung können die Moorburger sicher brauchen – und wenn es nur mit einem Besuch des Kunstcamps ist. mz