HarburgHenry C. Brinker, Kulturmanager und Betreiber des Speichers am Kaufhauskanal, möchte die Harburger Kulturszene gern mit einem „wahrnehmungsstarken Impuls“ beglücken.

Seine Idee: Einen Tag nach ihrer Premiere  bei den Händel-Festspielen in Haale (Saale) am 25. Mai soll die Oper „Berenice, Regina d'Egitto“ auf der Freilichtbühne  im Harburger Stadtpark aufgeführt werden. Im Bezirksamt sei man – so Brinker – begeistert gewesen sein, es haperte nur an der Finanzierung. Und die wird unterschiedlich dargestellt. Während von Seite Fischers rund 23.000 Euro beziffert werden, müsste die Stadt laut Brinker deutlich weniger beisteuern. Nach seiner Kostenaufstellung hätte reine Oper etwa 16.000 Euro gekostet. Dazu wären An Einnahmen wären Kosten für Sitzkissen, Versicherung, Reinigung- oder Sicherheitspersonal gekommen. Die Endsummer hätte 23.850 Euro betragen, denen gegenüber Einnahmen über 6000 Euro aus dem Verkauf von 300 Tickets  sowie Sponsoringerlöse zu erwarten gewesen, die von Brinker mit 1500 Euro veranschlagt wurden, wobei tatsächlich eine höhere Summer zu erwarten wäre. Daraus ergibt sich eine Zuwendung in Höhe von maximal 15.750 Euro.

Und jetzt kracht es plötzlich ganz gewaltig. Brinker wirft nämlich dem Vorsitzenden des Harburger Kulturausschusses und CDU-Kreisvorsitzenden Ralf-Dieter Fischer in einem offenen Brief vor, die Opernaufführung verhindern zu wollen – und zwar aus rein persönlichen Gründen: „Nun droht das Projekt daran zu scheitern, dass Sie nicht bereit sind, einer Mittelvergabe zuzustimmen, wenn ich, Henry C. Brinker, beteiligt bin. Ich finde, dass unsere politischen Differenzen keine Rolle spielen dürfen, wenn es für Harburg um die gute Sache geht.“

Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Rivalität zweier CDU-Granden zum öffentlichen Ärgernis wurde. Brinker und Fischer sind bekannt als Kerle, die sich nicht so leicht die Butter vom Brot nehmen lassen und – wenn es sein muss – auch mal härtere Bandagen anlegen.
Kaum hatte Brinker den Speicher übernommen, engagierte er sich – zunächst verhalten – auch politisch. Als er sich dem CDU-Ortsverband Harburg-Mitte anschloss, brannte die Lunte. Inzwischen weiß jeder, dass sich dieser Ortverband mit der Bürgerschaftsabgeordneten Birgit Stöver an der Spitze und der Bezirksabgeordneten Helga Stöver im Hintergrund und Fischer auf der anderen Seite nicht leiden können. Beide Seiten lassen keine Gelegenheit aus, sich gegenseitig am Zeug zu flicken. Mit Brinker hatten die Stövers plötzlich einen kampferprobten Mann an ihrer Seite – und schon mehrten sich die Berichte über lautstarke Wortscharmützel zwischen Brinker und Fischer in den Parteigremien.

Jetzt ist der Streit öffentlich und beide Seiten schonen sich nicht mit gegenseitigen Vorwürfen. So wirft Brinker seinem Kreischef vor, auch noch den „Herrn Heimath von der Harburger SPD gegen mich in Stellung zu bringen“. Ralf-Dieter Fischer hat inzwischen auf den offenen Brief reagiert. In seinem Schreiben an Brinker erinnert er daran, dass der Kulturausschuss der Ertüchtigung der Bühne (zum Beispiel mit einem Dach) zugestimmt und dabei auch die Idee zur Aufführung einer Barockoper begrüßt habe. Fischer: „Allerdings ist bisher nicht irgendein konkreter Antrag auf Bezuschussung dieser Veranstaltung gestellt worden.“ Im Übrigen ließen die Richtlinien für die Vergabe von Stadtteilkulturmitteln im Einzelfall nur einen Zuschuss bis 2500 Euro zu. Zudem müsse der Eindruck vermieden werden, es könnten auch Vermischungen zwischen Kulturförderung und wirtschaftlicher Tätigkeit erfolgen.

Fischer weiter: „Mir ist unverständlich, wie Sie auf die Idee kommen, ich würde Herrn Heimath in irgendeiner Form gegen Sie in Stellung bringen. Dieses ist blanker Unsinn.“ Die Kollegen der SPD hätten bei informeller Information über die beabsichtigte Durchführung der Barockoper spontan und ohne jede weitere Nachfrage die Idee abrupt abgelehnt, weil „offenbar dort – aus welchen Gründen auch immer – schroffe Vorbehalte gegen Ihre Person bestehen“. Welche auch immer das sind. Nicht unerwähnt soll der Schluss von Fischers Replik bleiben: „Ich begrüße Ihren Vorschlag, gelegentlich gemeinsam ein Bier zu trinken, um Animositäten auszuräumen.“

Brinker dürfte diese Sichtweise erstaunen. "Das Projekt Barockoper geht auf einen Herzenswunsch des verstorbenen Bezirksbürgermeisters zurück, den er in seinem letzten Zeitungsinterview geäußert hat", so Brinker, der auf ein Interview des Bezirksamtsleiters mit der Bild-Zeitung verweist. Darin hatte Völsch gesagt: "Ich möchte die Freilicht-Bühne zurück ins Leben holen. Mit einem Theaterstück oder einer Oper." Brinker: "Ich hatte für die Bezirksverwaltung auf Bitten von Hern Völsch lediglich den Kontakt zu den Händelfestspielen in Halle, Ensemble scenitas, hergestellt. Dass hier finanzielle Interessen im Spiel sein könnten, ist eine böswillige Unterstellung von Herrn Fischer und beschädigt nicht zuletzt das kulturpolitische Vermächtnis von Thomas Völsch." ag

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