160706VancouverHarburg – Bekommt Harburg neben der Sammlung Falckenberg und der Graffiti-Wand „Hall of Fame“ ein drittes Kunst-Highlight, das die Aufmerksamkeit der internationalen

Kunstszene endgültig auf die angeblich so schmucklose Region an der Süderelbe richten würde? Jana Vollmer, Lukas Grellmann und Rudolf D. Klöckner gehen fest davon aus. Sie haben jetzt ihre Idee für ein „Walls Can Dance Festival“ vorgestellt – an der Schnittstelle zwischen Kunst, Architektur und Stadtentwicklung.

Bunte Wände im Binnenhafen – das ist nicht neu, wenn auch nur vorübergehend. Die „Nacht der Lichter“  lockt immer wieder – nicht nur Fotografen – in den Süden der Stadt. Wird das Licht aber ausgeschaltet, verflüchtet sich die Kunst. Bei den „tanzenden Wänden“ könnte es auch vorübergehende Projektionen geben, es könnten aber auch Streetart-Künstler zu Pinsel oder Spraydose greifen. Klöckner: „Es könnten aber auch modernste Techniken eingesetzt werden, wie Drohnen, die die Wände färben oder gar experimentelle Roboter.“ Oder es könnte so etwas entstehen wie bei der Biennale in Vancouver, als die einzigartigen brasilianischen Streetart-Zwillinge Os Gemeos Silos (siehe Foto) verwandelten.

Die drei Ideengeber sind in der Kunstszene keine Unbekannten: Rudolf D. Klöckner ist 2016 unter anderem Kurator des Kunstevents „MS ARTVILLE“ in Wilhelmsburg, bei dem auch in diesem Sommer wieder Künstler und Künstlerkollektive auf dem Gelände leben und eine Kunststadt entstehen lassen. Lukas Grellmann war unter anderem beim „ IBA Labor für Kunst und Stadtentwicklung“ aktiv. Jana Vollmer, die als Künstlerin unter dem Namen Jana Fux auftritt, kuratiert und veranstaltet unter dem Namen „Kokon“  gemischte Kunstausstellungen in Kombination mit Partys – unter anderem im „Stellwerk“ im Bahnhof Harburg.

Bisher gibt es nur die Idee. Jetzt wird erste einmal ein Verein gegründet, bis zum Winter soll die Grundfinanzierung stehen, insgesamt sollten wohl 120.000 Euro zusammenkommen. Schon im Herbst könnte es ein „Kick Off“ mit „ersten künstlerischen Interventionen im Stadtraum“ geben. Im September 2017 soll schließlich das Festival starten, zunächst mit einer „Genese“, in der die Kunstwerke entstehen, dann die Galeriephase, in der alles gezeigt und Party gemacht wird.

Es bleiben viele Fragen: Wer macht mit? Wer stellt seine Wände zur Verfügung? Was ist erlaubt? Was nicht? Klar ist jetzt schon: Es werden viele Leute ins Gespräch kommen, die sonst nichts miteinander zu tun haben. In der Binnenhafen-Begleitgruppe gab es erste Reaktionen. Fischhallen-Eigentümer Werner Pfeifer findet die Idee „grundsätzlich gut“, denn dadurch würden neue internationale Leute in den Binnenhafen geholt: „Das können wir uns nicht entgehen lassen.“ Stadtplanerin Birgit Caumanns stellt fest: „Der Binnenhafen kann punktuell durchaus Farbe gebrauchen.“ Und Hans-Christian Lied, Chef des Harburger Amt für Stadt- und Landschaftsplanung, kündigte an, die Idee „positiv zu begleiten“. Das sei aber keine Pauschalgenehmigung: „Wenn es um amtliche Genehmigungen geht, betrifft das immer den Einzelfall.“

Was das wiederum heißen kann, davon kann Harburg-Aktivist Peter Noßek ein Lied singen. Zusammen mit den Harburger Künstlern Bernd Muss und Ralf Schwinge (Künstlername: INTO) wollte er einen Teil der maroden Klappbrücke über den Östlichen Bahnhofskanal bemalen – ohne Honorar. Bezirksamtsleiter Thomas Völsch fand die Idee zunächst durchaus positiv, sagte dann aber mit dem Hinweis auf den Denkmalschutz ab. ag