160525Toro3Harburg – Die Irakerin Tara Alsalihy, die als Flüchtling in Neugraben lebt, ist eine mutige Frau. Nicht weil sie geflüchtet ist, sondern weil oder vor allem was sie vor ihrer Flucht

gemalt hat. Sie thematisierte in ihrer Heimat die Rolle der Frau, die von Unterdrückung und Bevormundung geprägt ist. Die Bilder der ehemaligen Studentin der Academy of fine Art in Bagdad zeigten auch provokant das, von dem hier viele glauben, dass es dort unzeigbar war. Nackte Frauen, traurige Frauen, mutige Frauen. „Trotz diversen Generationen vermissen Frauen in der arabischen Welt die Anerkennung. Zudem ist unsere Gesellschaft die einzige, die Belästigungen von Frauen, sei es verbale oder Konfrontationen jeglicher Art, rechtfertigt. Zusätzlich wird die wesentliche Rolle der Frau zur Gründung des Staates ignoriert. In den monotheistischen Religionen wurde die Frau geehrt und genoss einen hohen Status , einen Status den jede Frau mit erhobenem Kopf herumspazieren lässt. Doch leider haben die eingeprägte Tradition und Gewohnheiten diesen Status am Boden zerstört und beinah völlig verwischt. Denn die Gewohnheit leugnet die Rechte der Frauen, wobei die Tradition die freie Meinungsäußerung der Frau unterdrückt. So wurde den Frauen die Ehre und  Würde entnommen und ihre Identität zum Tode verurteilt – zu Unrecht“, sagt Alsalihy.

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Toro mit Tara Alsalihy. Foto: zv

„Der Ansatz hat mir gefallen“, sagt Künstler Toro, der von Tara Alsalihy in seiner Galerie direkt auf eine Ausstellungsmöglichkeit angesprochen worden war. „Gut malen können viele“, sagt Toro. „Das ist nicht wichtig. Kunst muss ein Konzept und eine Botschaft haben.“ Das Konzept der 25 Jahre alten Irakerin hat ihn überzeugt.

Die Bilder, die ab Freitag in Toros Galerie MyToro gezeigt werden, entstanden in der Flüchtlingsunterkunft am Aschenland. Die Ausstellung trägt den Titel "Roter Wachs" in Anlehnung an die Farbe von Siegeln, die verbotene Kunst kennzeichnen. Die Vernissage ist am Freitag, den 27. Mai in der Galerie im Fußgängertunnel an der Lüneburger Straße. Die Bilder sind bis zum 17. Juni dort zu sehen. zv

Veröffentlicht 25. Mai 2016