160218KunstHarburg - Wenn das kein Zeitgeist ist. Berzan Kejo, ein kurdischer Künstler aus Syrien, der vor 30 Jahren als politischer Flüchtling nach Deutschland kam, stellt in der Galerie MyToro aus.

Erwartungsgemäß beschäftigt sich seine aktuelle Kunst mit dem Thema Flucht. Überraschend ist das Material, dem Kejo den Vorzug gibt: Holz, das er in ausdrucksstarke Reliefs verwandelt, die durch die Patina des Materials eine besondere Ausstrahlung haben. Kern der Ausstellung ist eine Installation aus in nach moslemischen Beerdigungsritus in weißes Tücher gehüllte Leichen, lebensgroß, vom Säugling bis zum Erwachsenen, die stehend einen großen Teil der schlauchartigen Galerie einnehmen.

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Künstler Kejo und Galerist Toro in der Installation. Foto: zv

Mit Berzan Kejo hat Galerist Toro einen weiteren international aufgestellten Künstler nach Harburg geholt, der seiner Galerie im Fußgängertunnel zwischen Fußgängerzone und Seevepassage aus der lokalen Kunst-Szene hervorhebt. Etwas peinlich ist dabei, dass die Harburger Politik, die das Gelerie-Café als wichtiges Element für eine Aufwertung der als "Schmuddeltunnel" in Verruf geratene Unterführung installierte, bei vergangenen Vernissagen gar nicht oder kaum zu finden war. Der Besuch der Vernissage am am Freitag den 19. Februar um 19 Uhr lohnt sich dennoch. Neben den sehenswerten Werken und dem Kejo selbst, der sich schon bei der Vorstellung seiner Ausstellung als eloquenter und geistreicher Künstler zeigte, erwartet den Gast ein interessantes Publikum. zv

Veröffentlicht 18. Februar 2016