zu warten.

„Sparer werden noch viele Jahre vergeblich auf höherer Zinsen warten.“ „Paradoxerweise werden wir Länder wie Italien oder Frankreich nur dadurch zum Sparen bewegen, indem  Deutschland anfängt, das Sparen über Bord zu werfen und für Infrastruktur, Bildung und Forschung noch mehr Geld auszugeben als die Länder der Peripherie.“ „Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir den Euro in seiner heutigen Form noch ewig haben werden.“ Mit zum Teil provokanten Thesen wie diesen sorgte Philipp Vorndran auf dem Sparkassen-Investmenttag in Buchholz für Aufsehen und für rege Diskussionen.

Das war und ist auch die Absicht des 52 Jahre alten Kapitalmarktstrategen des großen unabhängigen Investmenthauses Flossbach von Storch aus Köln. „Denk das Undenkbare!“, lautete nicht umsonst das Leitthema des 7. Investmenttages der Sparkasse Harburg-Buxtehude. Wie in den Jahren zuvor waren die mehr als 500 Plätze in der Empore lange vor der Veranstaltung ausverkauft.

Mit seinem Auftritt als prominenter Gastredner tritt Philipp Vorndran in eine Reihe mit Dr. Franz Alt, Raimund Brichta und Alexander Niemetz, die dem zu einem gesellschaftlichen Ereignis gewachsenen Investmenttag zuletzt Glanz verliehen hatten. Unter den Gästen 2014 befand sich auch der designierte Buchholzer Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse. „Ich möchte Ihre Denkmuster verändern“, hatte Vorndran gleich zu Beginn eines seiner Ziele formuliert und wie so häufig an diesem Abend ein plastisches Beispiel parat: „Während meiner zwölf Jahre in der Schweiz sind mir kleine politische und wirtschaftliche Gedankenbomben ins Gehirn implantiert worden, diese möchte ich heute an Sie weitergeben, damit sie nach und nach bei ihnen explodieren und ihr Investmentverhalten verändern können.“

Eine dieser Bomben: „Sparer werden noch viele Jahre vergeblich auf höhere Zinsen warten. Eher werden die Zinsen noch weiter sinken“, prophezeite Vorndran. Begründung: „Die Staatshaushalte in Europa, aber auch in vielen anderen Ländern der Welt, können sich einfach keine höheren Zinsen mehr leisten.“ Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg sei die Dividendenrendite von erstklassigen Unternehmen drastisch höher als die Anleihenrendite. Vor diesem Hintergrund versteht der Referent nicht, warum die große Mehrheit der Anleger in Deutschland an festverzinslichen Wertpapieren festhalte. „Kaum jemand hat Mut zu einem Investment in Qualitätsaktien“, rief Philipp Vorndran den Gästen der Empore zu. „Es ist wohl die Angst vor dem nächsten großen Crash. Keiner möchte sich dann die Dummheit nachsagen lassen, er sei nahe dem All-Time-High am Aktienmarkt eingestiegen.“

„Nicht existente Zinsen müssen erst akzeptiert werden, um bereit zu sein, umzudenken und nach Alternativen zu suchen – das dauert Zeit. Wir müssen umdenken. Wir müssen reale Werte in unser Portfolio aufnehmen. Auch die Aktie ist als Produktivkapital dabei ein Muss! Ein Muss für unsere Altersvorsorge, für den Schutz unserer Vermögenswerte und auch zum Nutzen unserer deutschen Volkswirtschaft“, schloss der renommierte Kapitalmarktstratege und TV-Experte seinen etwa 45-minütigen, leidenschaftlichen Vortrag, dem sich eine rege Diskussion mit dem Plenum anschloss.

Darin gab Philipp Vorndran auch ein klares Votum pro Immobilie ab. Selbstgenutzte Immobilien seien die beste Altersvorsorge, sagte er. Dagegen riet er Privatanlegern zur Vorsicht bei Mietimmobilien. Angesichts dieser Anlagetipps sah sich Sparkassen-Direktor Jörn Stolle, der gekonnt durch den Abend führte, im Angebot der Sparkasse Harburg-Buxtehude bestätigt, im Foyer der Empore über aktuelle Entwicklungen aus den Bereichen Wertpapier und Immobilien zu informieren.

In seiner Begrüßung hatte Vorstandsmitglied Andreas Sommer die jüngsten strukturellen Veränderungen bei der Sparkasse Harburg-Buxtehude erläutert. „Das Kundenverhalten hat sich in den letzten Jahren stark verändert“, sagte Sommer, „ein ganz entscheidender Punkt für die Treue zu unserem Institut ist der persönlichen Kontakt zum Mitarbeiter.“ Darum habe die Sparkasse zum 1. Juli nochmals die Kompetenz in der Fläche gestärkt. „Jetzt können Sie in jeder Filiale mindestens einen Vermögensberater antreffen“, so Sommer. Er forderte die Kundinnen und Kunden zu Rückmeldungen auf, ob die Sparkasse ihrem eigenen Anspruch gerecht werde: „Wir wollen und wir werden immer besser werden.“ dl

Veröffentlicht 9. Oktober 2014