Promotion - Leben retten macht Schule – in Wilhelmsburg jährlich im September. Im Rahmen der bundesweiten Woche der Wiederbelebung (18.-22. September) hat ein

Team um Dr. Ewald Prokein, Chefarzt der Anästhesie und Intensivmedizin am Krankenhaus Groß-Sand, erneut Schulen im Stadtteil besucht und Reanimationstrainings für 120 Achtklässler gegeben. Ein Projekt mit tagesaktueller Relevanz.

„Wer von euch schaut Tagesschau?“ Mit dieser Frage begrüßte Dr. Prokein am vergangenen Donnerstag alle drei Schulklassen, für die an diesem Tag Wiederbelebung auf dem Stundenplan stand. Beeindruckend viele Hände schnellten in die Höhe. Aber worauf wollte der Chefarzt hinaus? Fußball? „Ein wichtiges Thema, heute aber nicht unseres.“ Andere schalteten sofort: „Es gab eine Nachricht aus Essen“, erinnerte sich ein Mädchen. „Dort wurden Menschen bestraft, die einem ohnmächtigen Mann nicht geholfen hatten.“ Richtig! Ein Rentner hatte in einer Bankfiliale am Boden gelegen. Drei Kunden waren vorbeigegangen, teils sogar über den Mann gestiegen, um an den Geldautomaten zu gelangen. Erst nach 20 Minuten holte jemand Hilfe. Der Mann starb eine Woche später im Krankenhaus.
Kopfschütteln bei den Jugendlichen. Das Verhalten der Menschen sei schockierend, ihre Ausreden ebenso. Ein Schüler fragte dennoch: „Aber ich bin ja kein Arzt – kann ich trotzdem etwas machen, wenn jemand zusammengebrochen ist und vielleicht nicht einmal mehr atmet?“ Dr. Prokein: „Du kannst! Sonst wären wir heute nicht hier.“

Wie verhält man sich als medizinischer Laie also richtig, wenn ein Mensch einen Herzkreislaufstillstand erleidet? Hier hilft die einfache Faustregel „Prüfen-Rufen-Drücken“, die schnell verinnerlicht ist. „Wir prüfen erst Bewusstsein und Atmung. Im nächsten Schritt rufen wir den Rettungsdienst“, erklärte Dr. Prokein zunächst in der Theorie. Leichtes Spiel für die Achtklässler – ein Smartphone hatte beinahe jeder in der Tasche. Etwas mehr Übung brauchte es, bis es mit der Herzdruckmassage richtig funktionierte. „Drückt 100 bis 120-mal pro Minute kräftig auf den Brustkorb“, leitete der Chefarzt an. Für den richtigen Rhythmus spielte er den BeeGees-Hit Stayin‘ Alive. „Kenn ich zwar nicht, hilft aber trotzdem“, stellte ein Schüler fest. Und dann? „Nach 30 Herzdruckmassagen sollte der Patient zweimal beatmet werden.“ Allgemeines Kichern brach aus – nichts Neues für Dr. Prokein und Team. Vormachen? Bitte nicht


Grünes Schild mit Herz und Blitz: Defibrillatoren für Laienhelfer
Mehr Freiwillige meldeten sich, als der Automatisierte Externe Defibrillator (AED) ausprobiert werden durfte. Dabei handelt es sich um ein für Laien konzipiertes Gerät, das bei Bedarf über zwei Elektroden einen lebensrettenden Schock auslöst. Eine Computerstimme führt den Helfer zudem durch alle Schritte der Reanimation – statt der BeeGees gibt hier ein lautes Klopfen den richtigen Takt vor. „Wo bekommt man so ein Ding?“, wollten viele Schüler wissen. „Kaufen braucht ihr es nicht, AEDs findet man mittlerweile an vielen öffentlichen Orten – beispielsweise
in Einkaufszentren, Schwimmbädern, an Bahnhöfen und Flughäfen“, klärte Dr. Prokein auf. „Ein grünes Schild mit weißem Herz und Blitz weist darauf hin, dass ein AED verfügbar ist.“ Dennoch: Auch die beste Technik kann dem Menschen nicht alles abnehmen. So fordert das Gerät nach 30 Herzdruckmassagen ebenfalls zum Beatmen auf. Und das war am Ende dann gar nicht mehr so schlimm und wurde doch von fast allen erprobt. Denn: „Hier geht es um Leben oder Tod, Digga.“