Das Harburger Rathaus

Im Stil der flämischen Renaissance ist das Rathaus nach den Plänen von Christoph Hehl ab 1889 für die damals noch eigenständige Stadt Harburg errichtet worden. Am 3. Oktober 1892 waren die Bauarbeiten beendet.

Im selben Monat fand die Einweihung durch den damals amtierenden Oberbürgermeister Julius Ludowieg statt. Es ist der dritte Rathausstandort in der Stadtgeschichte. Das erste Rathaus war 1733 an der Harburger Schloßstraße eingeweiht worden. Das zweite Rathaus stand ab 1830 am Sand an der Stelle, an der heute die Haspa steht.

Das heutige Rathaus wurde, wie auch heute viele Bauprojekte, teurer als gedacht. Statt 300.000 Mark kostete das der Backsteinbau am Ende 544.200 Mark. Schon wenige Jahre später platzte es aus allen Nähten. Deshalb wurde 1904 mit dem Bau eines Verwaltungsgebäudes für den Preis von 182.000 Mark. Die Backsteinfassade ist reich geschmückt an Schmuckelementen, die aus Sandstein bestehen. Dabei stechen die Allegorien Gerechtigkeit (Justitia) und Weisheit (Prudentia), die im ersten Stock die Fassade links und rechts oberhalb des Portals einrahmen. Auf dem Rathausplatz, so hatten es Pläne vorgesehen, sollte ein Kaiser Wilhelm-Denkmal errichtet werden.

Mit dem Wegfall der Eigenständigkeit Harburgs als Stadt am 1. April 1937 durch das Groß-Hamburg-Gesetz, hat das Rathaus seine Bedeutung nicht völlig verloren. Es ist immer noch Zentrum des politischen Lebens in Harburg. Dort hat der Bezirskamtsleiter sein Büro. Im Rathaus kommt im großen Saal die Bezirksversammlung zu ihren Sitzungen zusammen. Sie besteht aus 51 Mitgliedern, die alle fünf Jahre gewählt werden. Aktuell sind Abgeordnete der SPD, CDU, der Grünen, der Linken, der Alternative für Deutschland und der FDP als gewählte, und Abgeordnete der Neuen Liberalen, die durch Austritte aus anderen Fraktionen zusammen gekommen sind, in der Bezirksversammlung vertreten. Auch mehrere politische Ausschüsse tagen im Rathaus.

Ab Ende November dient das Harburger Rathaus als Kulisse für den Weihnachtsmarkt, der auf dem Rathausplatz stattfindet. Der von alten Bäumen und dem illuminierten Rathaus umrahmte Platz erzeugt eine ganz besondere Atmosphäre, die die Harburger und die Studenten der Technischen Universität schätzen. Der Weihnachtsmarkt zieht auch Besucher aus der Umgebung an. Auch zahlreiche andere Veranstaltungen finden über das Jahr vor oder im Rathaus statt.

Walter Dudek muss nach der Machtergreifung dr Nationalsozialisten das Rathaus verlassen. Foto: Helms Museum

11. März 1933 SA- und SS-Männer dringen in das Harburger Rathaus ein und zwingen den SPD-Bürgermeister Walter Dudek mit Waffengewalt es zu verlassen. Dudek war 1925 zum Oberbürgermeister Harburgs gewähllt worden.

1944 wurde das Rathaus durch Bombentreffer stark beschädigt. Foto: privat

Am 11. November 1944 wurde das Rathaus bei einem der vielen Bombenangriffe schwer getroffen. Der Südflügel, das Dach und auch der Dachreiter, der sich wie ein Turm über dem Portal erhob, wurden zerstört. 1951 begann der Wiederaufbau. Leider wurde damals die Zweckmäßigkeit in den Vordergrund gestellt. Das galt sowohl für den Innenausbau, wie auch für die Fassade. Erst mit dem Umbau fand die Rathausuhr ihren heutigen Platz. Sie wurde 1895 von der Firma Korfhage und Söhne in Buer gebaut. Der Uhrenturm, der sich ursprünglich über dem Rathausportal erhob, wurde nicht wieder aufgebaut.

Die 1992 ersetzten Obelisken. Foto: zv

1992 Zum 100. Geburtstag konnten elf fehlende Obelisken durch Geldspenden von Harburgern und hier ansässigen Firmen ersetzt werden. Insgesamt wurden 150.000 Mark dafür aufgebracht. Sie waren bei dem ein Jahr nach Kriegsende begonnenen Wiederaufbau aus Sicherheitsgründen abgebaut und eingelagert worden. Dabei gingen sie verloren. 

30. August 2004 Im Rahmen des Projektes "Hamburg leuchtet" wird das Rathaus auf Initiative des damaligen kulturpolitischen Sprechers der CDU, Karl-Heinz Ehlers, nach einem Konzept des Lichtkünstlers Michael Batz illuminiert. Unterstützt wird das Projekt von Elektro-Meyer und die  Adalbert-Zajadacz-Stiftung, die mehr als 30.000 Euro zusteuert.

23. September 2009 Nach 114 Jahren werden die beiden 1895 von dem Industriellen Heinrich Traun gestifteten Masten abgesägt, weil sie morsch geworden waren. Sie wurden ersetzt und die Spitzen restauriert.

10.Oktober 2009 Für weltweite Aufmerksamkeit sorgt der japanische Künstler Tatzu Nishi, der ein Gerüst vor das Rathaus baute und in 20 Metern Höhe ein Wohnzimmer installierte, das auf der Stirnseite als Wand die Rathausuhr mit den beiden daneben angebrachten Skulpturen hatte. Das Projekt wurde zum zehnjährigen Bestehen des Harburger Kunstvereins m Rahmen der Aktion "10° Kunst. Harburger Berge" umgesetzt.

10. Juni 2011 Das Rathaus bekommt zwei zusätzliche Masten vor die Tür, damit neben der Hamburg- und Deutschland- auch die Europaflagge aufgezogen werden kann. Der vierte Mast isf frei und steht wegen der Optik dort. Die beiden neuen Sockel sind deutlich schmuckloser, als die beiden 1885 dort aufgestellten.